04.12.2014

Auf Papa gewartet

Finale des NEULAND-Laufkurses: 15 Zieleinläufe beim Wolfsburg Marathon

Bei allen gab es den kritischen Moment. „Beim siebten Kilometer wollte ich wirklich aufhören. Ich dachte: Wofür mache ich den ganzen Quatsch?“, erzählt Joachim Fritz. Stefan Hörner überlegte nach dem zwölften Kilometer: Breche ich ab? Und Olaf Levin brachte Power-Gel ins Straucheln: „Ich nahm es während des Laufens ein. Irgendwie kam ich aus meinem Atemrhythmus und inhalierte die halbe Tube direkt in den Hals. Das Gel machte sich wie Klarsichtfolie in meiner Speiseröhre breit. Atmen war für kurze Zeit nicht möglich. Ich überlegte, aufzuhören.“ Aber sie hielten durch. 

15 Teilnehmer des NEULAND-Laufkurses starteten am 14. September beim Wolfsburg Marathon. Alle erreichten ihr persönliches Ziel. Fünf bewältigten den Halbmarathon, acht die Zehn-Kilometer-Strecke und zwei fünf Kilometer.

Seit April hatten Sina Willmann und Claudia Saracino die Gruppe fit gemacht: 20 wöchentliche Trainingseinheiten à 90 Minuten, begleitet von Vorträgen über Ernährung, Lauftechnik und Motivation. Anfänger und Fortgeschrittene trainierten dabei zusammen. Unser Mieter Joachim Fritz zum Beispiel fing bei null an. „Ich hatte Knieschmerzen. Mein Arzt sagte, wenn ich laufe, wird das Knie geschmiert. Ich sagte: Tolle Geschichte, ich hasse laufen“, so der 42-Jährige. Über den ­NEULAND-Kurs hoffte er, Spaß daran zu finden. „Mich interessierte auch das Drumherum, etwa dass wir uns für einen halbstündigen Lauf 40 Minuten lang aufwärmten oder wie man am besten atmet und die Arme bewegt. Die Trainerin war supernett, das Team motiviert. Bald freute ich mich auf die Treffen – obwohl du wusstest, danach bist du total fertig.“ Drei Wochen vor dem Wolfsburg Marathon lief er schon sieben Kilometer am Stück. So meldete er sich – Ziele setzen – für die Zehn-Kilometer-Strecke an. „Es war extrem hart.“ Aber: Seine Frau, Oma und Schwiegereltern feuerten ihn überraschend gleich an zwei Stellen an – und nach seinem Tiefpunkt motivierte ihn eine von hinten kommende Gruppe. „Die nahm mich mit. Anzukommen, das war toll.“ Seine Knieschmerzen sind inzwischen verschwunden.

Stefan Hörner, Leiter Instandhaltungsservice bei der NEULAND, war mit dreieinhalb Kilometern Laufleistung eingestiegen. Im Kurs steigerte er sich auf 16 Kilometer. „Wir haben uns gegenseitig mitgezogen und auch mal belächelt. Das schweißt zusammen. Ohne die Gruppe hätte ich die Leistung nicht erbracht. Das war schon schön.“ Fest zu seinem Training gehören inzwischen Laufübungen wie das Anfersen, der Kniehebelauf oder das Intervalltraining: fünf Mal 800 Meter Full Power mit je 200 Metern Gehpause. Abschließen wollte er den Laufkurs mit einem Halbmarathon. „Kurz vorher bekam ich Probleme mit der Wadenmuskulatur, aber ich habe mich durchgebissen. Die letzten Kilometer waren hart.“ Verschiedene Ordner bauten ihn auf weiterzukämpfen. „Ins Ziel bin ich gemeinsam mit meinen Kindern eingelaufen. Die haben auf Papa gewartet. Ich war völlig ausgepowert.“ 

Auch Olaf Levin bewältigte den Halbmarathon. Der Videojournalist hatte das Training mit einem Blog und kurzen Filmen begleitet. „Man hätte ‚Vom Winde verweht‘ während meines Laufs gucken können“, bilanzierte er. „Aber Ankommen war das Ziel.“ Alle drei laufen weiter. Nächstes Ziel: der Hannover Marathon im April. Zeit verbessern. Es hat sie gepackt. Da auch das gesamte Projekt so gut „gelaufen“ ist, wird es 2015 fortgesetzt. Nähere Informationen in der nächsten Ausgabe.