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70 Jahre jung Teil 3

 



Nicht nur die Stadt feiert in diesem Jahr ihren 70. Geburtstag, die NEULAND kann auf ebenso viele Lebensjahre zurückblicken. Anlässlich des am 2. November bevorstehenden 70-jährigen Jubiläums lassen wir auch in dieser Folge historische Eckdaten der Stadtgeschichte und wichtige Meilensteine unserer Wohnungsbaugesellschaft Revue passieren.

1970-1980
1972 werden durch die niedersächsische Gebietsreform 20 Gemeinden, darunter die Orte Fallersleben und Vorsfelde in die Stadt eingegliedert. Die Einwohnerzahl vergrößert sich um ein Drittel auf 131.000, die Gebietsfläche um mehr als das Sechsfache auf 203 Quadratkilometer. Wolfsburg entwickelt sich damit zur Großstadt. Gleichzeitig zeigen sich deutliche Konjunktureinbrüche in der Automobilindustrie. Beschleunigt wird der Negativtrend durch die Ölkrise 1974 mit deutlichen Auswirkungen auf die Stadtentwicklung. Die Arbeitslosigkeit steigt, der eintretende Bevölkerungsrückgang führt nicht selten zu Baustopps. Ab 1976 beginnt die Umgestaltung der Porschestraße mit der Begrenzung der Fußgängerzone in einen Nord- und Südkopf.

1981-1990
Zwischen dem Ende der Achtziger und dem Anfang der Neunziger Jahre entwickelt sich aufgrund der vermehrten Übersiedlungen eine Wohnungsknappheit in Wolfsburg. Die NEULAND betreibt Krisenmanagement: In wenigen Monaten werden - etwa in Hehlingen und Hattorf - Übersiedlungshäuser für bis zu 12 Bewohner gebaut. Außerdem entsteht 1988 eine Senioren-Wohnanlage in Ehmen. Dazu kommen etwa 100 Mietwohnungen in Westhagen und 1989 ungefähr 80 Wohnungen in der Rostocker Straße: allesamt als geförderter sozialer Wohnungsbau, mit der Besonderheit, dass erstmalig auch Regen- und Grauwasser ressourcen-schonend genutzt werden. Zu den weiteren Aufgaben der NEULAND in dieser Zeit zählt auch die Sanierung des Rothenfelder Marktes.

1991 bis heute
Die Überwindung der Volkswagen-Krise Anfang der Neunziger beinhaltet auch ein klares Bekenntnis von Volkswagen zum Standort Wolfsburg. Dabei setzt die Wolfsburg AG wesentliche Impulse zur Arbeitsplatzsicherung und weiteren Stadtentwicklung. Angestrebt wird ein Netz aus Dienstleistungs- und Freizeiteinrichtungen. Als dezentrales EXPO-Projekt entsteht die Autostadt. Die Anbindung über die neue Stadtbrücke hebt erstmals die Trennung zwischen Stadt und Werk auf. Als städtebauliches Pendant am Bahnhofsplatz setzt dort ab 2003 das Science Center phaeno (Generalplanung und Projektmanagement: NEULAND) Akzente.

Weitere Projekte der jüngsten Vergangenheit: Seit 1995 treibt die NEULAND die Innenstadtentwicklung in der Schiller- und Goethestraße, aber auch am Rathenauplan voran. Ab 1996 stellt sich die Wohnungsbaugesellschaft der großen Herausforderung, das brache Zuckerfabrik-Gelände in Fallersleben in ein anspruchsvolles Lebensquartier umzuwandeln. 1998 beginnen die Arbeiten für die Ansiedlung von Volkswagen-Zulieferfirmen am Heinenkamp: Die NEULAND schuf in relativ kurzer Zeit über 150.000 Quadratmeter Gewerbefläche.

Im neuen Jahrtausend entstehen neben dem phaeno und dem technisch anspruchsvollen Badeland (2002) auch der Neubau und das Personalhochhaus am Klinikum. Und die neu entstandene Piazza Italia wertet die Innenstadt auf. Darüber hinaus werden durch die NEULAND zahlreiche Wohnungen im gesamten Stadtgebiet vollmodernisiert. Dabei ragt ab 2008 ein millionenschweres Projekt besonders heraus: Die Burg in Detmerode wird zurückgebaut, um mit modernen Grundrissen, zeitgemäßen Energiestandards und Grünanlagen vielfältige Lebensräume - auch für gemeinschaftliche Lebensformen und Wohnprojekte - zu schaffen.

Ein Wolfsburger Original
Wolfsburg ohne Altdeutsche Bierstube: Das wäre keine gute Konstellation im Jubiläumsjahr gewesen. Die erste Innenstadtkneipe der Stadt gehört einfach mit dazu. Das dachten sich auch Annika Diekmann und Heinrich Schmitt. Nach kurzzeitiger Schließung sorgen sie seit Mai dafür, dass es weitergeht: "Wir wollten die Tradition aufrechterhalten."

Albert Wöhleke, zuvor Betreiber eines Lokals in Grußendorf, hatte 1942 unter 200 Bewerbern den Zuschlag für das Bierlokal erhalten. "35 Pfennig und 4 Pfennig Kriegssteuer kostete ein Bier damals", erinnert sich Tochter Hanna Weinert-Wöhleke. Auch Kikeriki - Eierlikör mit Fanta - und Koks waren sehr gefragt: "Ein Stück Zucker mit Kaffeebohnen und dazu Rum. Das wurde dann in den Mund geschüttet und gekaut." In besonderer Erinnerung blieb ihr ein Tag im Herbst 1945: als es das nur auf Bezugsschein erhältliche Bier plötzlich im Übermaß gab. Als eines Nachts britische Offiziere nach Bier verlangten, führte Albert Wöhleke sie in den "ausgetrockneten" Keller. Tags darauf brachte der kommandierende Offizier einen Bezugsschein für ein Fass Feldschlößchen vorbei. Heimlich wurde aus der 1 eine 10 gemacht. So kam der Transporteur mit zehn Fässern aus Braunschweig zurück: "Die ganze Stadt war auf den Beinen. In Milchkannen und Töpfen wurde das Bier aus der Kneipe geschleppt."

Von 1962 bis 1988 war Hanna Weinert-Wöhleke dann selbst Wirtin in der Goethestraße. Die Stammgäste, die nach VW-Schichtende oft in Dreierreihen vor der Theke standen, ließen sich viele Späße einfallen, berichtet sie. Sie versetzten die stolz präsentierte "Ente" einer Bekannten, hingen Fahrräder von Kumpanen mit Wäscheleinen in Bäume und dachten sich immer neue Wetten aus. Das neue Team wird diese urige Atmosphäre nun weiter pflegen - täglich ab zehn Uhr bis in die frühen Morgenstunden. Wobei es auch nachts noch warme Gerichte gibt! Mittagstisch wird zu Preisen von 3,50 bis 5,50 Euro angeboten. "Wir haben auch eine schöne Karte mit deutschen Weinen", so Annika Diekmann. Außerdem neu: TV-Sportübertragungen und Preisskat. Die vielen Stammgäste im Alter von 25 bis 75 Jahren sind froh, dass es weitergeht. "Die Zeiten sind anders, der Durst ist derselbe" steht über der Eingangstür.