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Yum Yum und Chillsofa

 

Dienstag, 16.45 Uhr. Im „Kreativladen“ brennt kein Licht. Niemand da? Doch dann hört man Gelächter. Und als wir die Tür zum Saal des Nachbarschaftshauses Teichgarten öffnen, ist ordentlich was los. „Wir spielen gerade Fangen im Dunkeln“, berichtet Leiterin Julia Gebauer. Eine Viertelstunde später haben die Sechs- bis Dreizehnjährigen Lust, draußen zu kicken – und zum Schluss kommt dann noch ein Schwungtuch ins Spiel. Eines der Kinder steht drunter und muss möglichst schnell eine zugerufene Rechenaufgabe lösen, während das Tuch auf und ab bewegt wird. Ist das Ergebnis falsch, darf der Nächste in die Mitte. Die Regeln haben sie sich gerade zusammen ausgedacht.  

Im vergangenen Herbst wurde der „Kreativladen“ eröffnet. Julia Gebauer ist pädagogische Mitarbeiterin der Familienbildungsstätte (Fabi). Die Kooperation der NEULAND mit der Fabi ermöglicht, zur gleichen Zeit im Kellertreff „Oase“ ein separates Programm für ältere Jugendliche anzubieten, betreut von Diplom-Sozialpädagoge Jens Ninnemann. Donnerstags treffen sich dann Groß und Klein zusammen – und spielen Billard, Dart, Tischtennis oder Karten, malen Mandalas, machen Schularbeiten und hören Musik. Oft wird auch über Probleme in der Schule und zu Hause gesprochen.

„Wenn die Jüngeren um die Älteren herumwuselten, war das manchmal nicht optimal. Die Jugendlichen wurden immer mehr verdrängt. „So entstand das neue Angebot“, erläutert Jens Ninnemann. Nicht alle waren davon begeistert: „Die Jüngeren haben wochenlang an die Fenster gebollert, weil sie auch dienstags hier sein wollten.“ Auch einigen Älteren gefällt die zwischenzeitliche Trennung nicht: „Ich finde das unfair“, so Chantal (15). „Mein kleiner Bruder würde lieber Billard oder Dart spielen. Es wäre besser, wenn man sich aussuchen könnte, ob man oben oder unten sein will.“ Michelle (11) findet den „Kreativladen“ hingegen richtig gut: „Vor Weihnachten haben wir zum Beispiel Zapfen, Blätter und Steine gesammelt und daraus Collagen gemacht. Klasse fand ich auch das Tuschen und Memoryspielen – und dass wir uns selbst was ausdenken können.“ Auch Theaterszenen haben sie schon zusammen improvisiert. Wunschthema war, einen Bettler zu spielen, der in der Fußgängerzone neben einem Geldautomaten sitzt – und dazu Passanten, die unterschiedlich auf ihn reagieren.

In den nächsten Monaten plant Julia Gebauer, Kekse zu backen, zu filzen und kleine Skulpturen aus Ton zu bauen. Das Programm ist so gut, dass inzwischen auch einige der Jugendlichen gern dabei sein würden …

Unten im Treff ist es derweil ziemlich ruhig: Andrea (16) ist da, die immer kommt, wie sie sagt. Olli (16) spielt mit Jens Billard. Dann liegt er auf dem „Chillsofa“ und unterhält sich mit ihm über den VfL Wolfsburg und eine wichtige Neuigkeit: „Ich bin seit acht Tagen glücklich vergeben. Nächstes Mal stelle ich sie dir vor.“ Früher sei er ständig hier gewesen; inzwischen leider seltener wegen des Nachmittagsunterrichts. „Es hat sich alles verändert. Zwei Kumpels sind jetzt beim Bund, einige arbeiten. Die frühere Clique ist auseinandergerissen.“ Auch Chantal kommt nicht mehr so oft: „Dienstags haben wir Schule bis 16 Uhr. Dann muss ich Hausaufgaben machen. Danach gucke ich oft Fernsehen oder chatte bei Knuddels.de.“ Finde man jemanden gut, dann könne man bei der Internet-Community Knutschflecken vergeben. Oder ein Herz: „Das aber nur an einen. Löschen kann man es erst nach einem Monat.“
„Gerade ist hier eine gewisse Umbruchphase – durch die Umstellung auf Ganztagsschule, Ausbildungsbeginn oder Schulwechsel. Einige, die früher kamen, sind nun in anderen Stadtteilen oder haben keine Zeit mehr“, so Jens Ninnemann. Manchmal kämen zwölf Jugendliche, manchmal nur drei: „Das muss man aushalten.“

Zum Jahresende 2008 haben die Kinder und Jugendlichen ihren Treff zusammen neu gestrichen. An die letzte weiße Wand soll nun noch eine Oase gemalt werden. Vorbeischauen kann man immer dienstags von 15 bis 19 Uhr (ab 14 Jahren) sowie donnerstags von 15 bis 17 Uhr. Der „Kreativladen“ hat dienstags zwischen 16 und 17 Uhr 30 geöffnet.

Zum Schluss erzählt uns Kilian (9) noch von einem der Lieblingsgerichte im Treff: „Yum Yum“. Eigentlich Pulver für eine Thai-Chef-Huhn-Suppe, „aber wir streuen immer etwas Chili drauf, schütteln es durch und knabbern es dann weg.“ Beim nächsten Besuch werden wir’s mal ausprobieren.