11.09.2014

Sinn und Sinnlichkeit

weltraum-Dekotipp: Die Wohnung bewusst wahrnehmen

Der große deutsche Philosoph Immanuel Kant hat es mal folgendermaßen formuliert: Sinnlichkeit steht für die Fähigkeit, mittels eines Sinnesapparates durch Empfindungen von Gegenständen angesprochen und angeregt zu werden. 

Klingt komplizierter, als es ist. Im Grunde geht es darum, dass wir Dinge unterschiedlich und individuell wahrnehmen und uns inspirieren lassen. Die Kunst ist, sich auf die Empfindungen auch einzulassen. Gerade in unserer durch Reizüberflutung geprägten Welt: Stundenlanges Fernsehflimmern, Musik in Einkaufszentren oder Parfumgerüche in Bekleidungsgeschäften – alles verschwimmt miteinander zu einem nichtssagenden Einerlei. Wäre es nicht schöner, all diese Dinge bewusster wahrnehmen zu können? Gut, in der Öffentlichkeit ist das Ganze sicherlich schwierig, einfacher wird es da schon dort, wo man den meisten Einfluss hat: in der eigenen Wohnung. Dort umgibt uns ja schon bereits ein Kosmos an Farben, Formen und Stoffen. Wir nehmen ihn nur häufig genug nicht mehr richtig wahr. Und geht auf Kosten der Sinnlichkeit. Und damit ist nicht nur Erotik im Schlafzimmer gemeint. 

Doch wie schaffe ich mir ein sinnliches Bewusstsein, um das Wohlgefühl in der Wohnung wieder zu steigern oder neu zu entdecken? weltraum-Deko-Expertin Andrea Müller empfiehlt dafür erst mal eine Bestandsaufnahme: „Man kann bewusst durch die Wohnung gehen und überlegen, an welchen Orten man sich besonders gern aufhält und woran das liegt.“ Klingt abstrakt, hilft aber bei der Verbesserung der Wahrnehmung ungemein. Denn häufig achtet man erst dann darauf, ob Formen weich oder klar und gradlinig sind. Oder ob Formen sich gegenseitig aufwerten, Spannung erzeugen und anziehend wirken. Jeder sollte sich fragen, mit welchen Materialien umgebe ich mich denn besonders gern? Ist es tatsächlich die zweckdienliche Kommode aus dem schwedischen Möbelhaus? Oder ist es die glänzende Tapete oder eine weich geschwungene Holzschale. 

Die Liste dieser Dinge ist so lang, wie es Menschen gibt: kuschelige Teppiche, alte Ledersessel, deren Material man nicht nur spüren, sondern auch riechen kann. Blumenarrangements in der Küche können genauso dazugehören wie ein seidiger Vorhang. Im Grunde ist alles, was uns umgibt, von sinnlicher Qualität. Man muss nur bereit sein, sich darauf auch einzulassen. Sensibilität ist dabei das Stichwort. Wer sich gern inspirieren lassen möchte oder den eigenen Horizont erweitern, für den hat Andrea Müller ein paar Anregungen zum Thema Sinnlichkeit in der eigenen Wohnung zusammengestellt, die auf den nebenstehenden Fotos zu bewundern sind. 

Der heutige Dekotipp handelt also weniger vom konkreten „Nachmachen“, als vielmehr vom Sammeln der Anregungen und der Aufforderung, im Sinne der Sinnlichkeit das eigene Zuhause auf den Prüfstand zu stellen. weltraum hat deshalb zunächst eine Art „Mood Board“, also Stimmungstafel, zusammengestellt. Dabei handelt es sich um ganz verschiedene Stoffe, Tapeten und glänzende Materialien zum Thema. Außerdem hat Andrea Müller ein sinnliches Arrangement aus Tapete, Sessel und Vorhang sowie weiteren Accessoires zusammengestellt. Eine weitere Möglichkeit also, die eigene Wohnung, die ja für viele auch Ausdruck der eigenen Persönlichkeit ist, sinnlicher zu gestalten.