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Er bewegt die Kunst im Kunstmuseum

 

weltraum: Warum sind Sie nach Wolfsburg gezogen?
Matthias Heitbrink: Ich bin seit August Leiter Art-Handling im Kunstmuseum. Das heißt im Grunde: Keine Kunst hier bewegt sich ohne mich. Ich bin verantwortlich für alle Bewegungen und Transporte und für den Auf- und Abbau. Den Schlüssel fürs Lager nehme ich immer mit nach Hause. Es ist ein großer Organisationsjob. Ich plane auch den Transport zwischen den Leihgebern. Zu manchen Ausstellungen kommt zu jedem Objekt ein Kurier. Das sind dann schon mal 40 Kuriere … In den ersten Tagen fragte jemand: ‚Nimmst du Lupo?’ Das kannte ich nicht. Das ist Luftpolsterfolie. Panzerpappe habe ich auch schnell kennengelernt. Und der letzte Schrei ist Tyvek: eine leichte textile Verpackung für Gemälde und Skulpturen. Neulich brauchten wir am Samstag plötzlich 500 Meter Isolierband. Versuchen Sie mal, 50 Rollen mit dem gleichen Isolierband aufzutreiben. Da war ich in fünf Baumärkten. Um hier zu arbeiten, habe ich eine Stelle als Museumspädagoge in Berchtesgaden ausgeschlagen: die Dokumentation Obersalzberg. Wolfsburg ist auch deshalb günstig, weil es nur eine Stunde von Berlin entfernt ist. Da wohne ich mit meinem Freund. Hier habe ich nun eine Zweitwohnung.  

weltraum: Was haben Sie vorher gemacht?     
Matthias Heitbrink: Aufgewachsen bin ich in Gelsenkirchen-Schalke. Nach dem Abi ging’s zum Zivildienst nach Berlin. Da war ich in einer Seniorenwohnanlage Mädchen für alles. Anschließend habe ich Neuere und Neueste Geschichte und Kulturwissenschaft studiert – und parallel im Deutschen Historischen Museum gearbeitet, in der Museumspädagogik. Ausstellungsbesuche – Kunst und Historie – und Kultur, das ist auch das, was mich privat interessiert. Ich habe viele Kunsthistoriker im Freundeskreis. Mein Freund ist Apotheker. Das Naturwissenschaftliche ist ein guter Gegenpart. Auf der Arbeit gebe ich inzwischen schon Gesundheitstipps.

weltraum: Wie sind Ihre ersten Eindrücke von Wolfsburg?    
Matthias Heitbrink: Wirklich erschrocken habe ich mich, als ich gesehen habe, dass das VW-Werk so groß ist wie die Innenstadt. Ein Klopper! Wolfsburg ist eine typische westdeutsche Nachkriegsstadt, sehr funktional angelegt. Keine große architektonische Schönheit. Das kenne ich ja aus Gelsenkirchen. Was ich Hammer fand: Ich habe noch nie so viele Kaninchen gesehen wie hier. Sogar in der Tiefgarage sind sie. Richtig schön war’s bisher in Fallersleben, in der Autostadt, in den Outlet-Stores, im Restaurant am Schloss und beim Figurentheater. Die Leute hier werden echt gut unterhalten. Es gibt fast eine kulturelle Übersättigung. Als Nächstes möchte ich zum VfL, ins Werk und ins Hallenbadkino. Das Programm da muss sich hinter keinem Berliner Programmkino verstecken. Ich finde, Wolfsburg ist eine okaye Stadt. Da gibt’s noch viel zu entdecken.