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"Ich wollte als Kind Förster werden"

 


Kaum ein anderer hat Wolfsburg in den vergangenen Jahrzehnten politisch derartig mitgestaltet. Seit 1968 ist Manfred Kolbe Ratsmitglied für die CDU und seit zehn Jahren sogar Bürgermeister. Bodenständig und zuverlässig sind Eigenschaften, die man in Zusammenhang mit seinem Namen häufig hört. Dazu passt, dass er seit 32 Jahren treuer NEULAND-Mieter ist. weltraum hat mit ihm gesprochen.

weltraum: Herr Kolbe, neben Ihren politischen Ämtern sind Sie auch Vorsitzender des Wolfsburger Seniorenrings. Ist Wolfsburg eine seniorenfreundliche Stadt?
Kolbe: Ich denke schon. Von den mehr als 130 Gruppen, die im Seniorenring organisiert sind, kommt jedenfalls viel gutes Feedback. Sicherlich gibt es aber auch genug Verbesserungspotenzial, zum Beispiel bei der Nahversorgung in den Stadtteilen, und auch die Nachbarschaftshilfe gilt es noch weiter auszubauen.
weltraum: Mit 71 Jahren gehören Sie ja selbst schon in die "Senioren Riege", sind durch Ihre vielen Tätigkeiten fast schon ein Sinnbild für Aktivität im Alter. Bleibt da eigentlich trotzdem Zeit für Hobbies?
Kolbe: Ich bin gerne draußen unterwegs, sehr gerne mit dem Fahrrad. Allerdings nicht in Tour de France-Manier, sondern eher schön gemütlich durch Wolfsburg. Darüber hinaus lese ich viel, zum Beispiel die Tagespresse, nicht zuletzt, um auf dem Laufenden zu bleiben.
weltraum: Was verstehen Sie unter dem Begriff "Zuhause"?
Kolbe: Dazu gehören für mich die Begriffe "Mensch" und "Raum". Ich bin ein echter Familienmensch. Da ist es natürlich toll, wenn nebenan die Familie meiner Tochter mit den zwei Enkeln wohnt. Zuhause ist aber auch dort, wohin ich Freunde einlade, wohin man sich zurückziehen und ausruhen kann.
weltraum: Das klingt nach einer Definition von Gemütlichkeit.
Kolbe: Gemütlichkeit hat ja etwas mit "Gemüt" zu tun. Es stimmt also: Gäste empfangen oder Spiele mit der Familie gehören für mich dazu. Aber auch als ehemaliger Schulleiter und Politiker endlich mal ohne Schlips und Kragen rumlaufen zu können (lacht).
weltraum: Das ist verständlich. Ist es Ihnen eigentlich unangenehm, wenn Sie in der Öffentlichkeit von den Leuten erkannt und angesprochen werden?
Kolbe: Nach 38 Jahren in der Politik gehört das zum Alltag. Es freut mich, dass keiner extra einen Bogen um mich macht. Besonders wenn mich meine Ex-Schüler ansprechen, weiss ich, dass früher nicht alles schlimm gewesen sein kann (lacht).
weltraum: Sie sind Lehrer und Politiker geworden. War das schon die Richtung, die Sie sich bereits als Kind mal ausgemalt haben?
Kolbe: Nein (lacht), als Kind wollte ich Förster werden. Na ja, zumindest als Biologie-Lehrer bin ich der Natur treu geblieben. Mitt-lerweile bin ich aber ein echter Stadtmensch.
weltraum: Das ist ein gutes Stichwort, als Bürgermeister der Stadt Wolfsburg: Was bedeutet Ihnen "Ihre" Stadt?
Kolbe: Ich bin zwar in Breslau geboren und erst seit 1956 in Wolfsburg, aber trotzdem ist es meine Heimatstadt, meine Lebenswelt. Ich bin froh, dass ich das Wachstum dieser Stadt miterleben und -gestalten konnte. Hier habe ich mich gleich willkommen gefühlt.