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Mensch Granato!


Giampiero Iampieri hat das legendäre Café Schrill aufgebaut, ist Vater dreier Kinder und in Wolfsburg ebenso zu Hause wie in seinem italienischen Heimatdorf Miano. Mit seiner Kunst- und Kultfigur Granato Rambocco beherrscht er als Comedian, Alleinunterhalter und Bandleader die gesamte Bandbreite zwischen Flachwitz, Qualität und Tiefgang. Als Mensch übrigens auch.
weltraum: Wie stehst du zu deiner eigenen Kunstfigur Granato Rambocco?
Iampieri: Granato Rambocco hat ja viele Facetten: vom Comedian und Entertainer über den Moderator bis zum Musiker. Inzwischen habe ich die Künstler-Eitelkeit abgelegt und sehe mich eher als Handwerker. Wenn man Kunst als etwas betrachtet, zu dem nur ein paar Ausgewählte einen Zugang haben, würde ich mich da nicht dazuzählen. Ich verstehe mich als Unterhaltungskünstler, der etwas Eigenständiges geschaffen hat. Im musikalischen Bereich empfinde ich mich dann schon mehr als Künstler.
weltraum: Wie gehst du mit negativer Kritik um?
Iampieri: Wenn die Leute nicht klatschen, dann bringe ich mich nicht gleich um. Ich gehe raus, versuche zu rocken und meine Arbeit zu machen. Außer mir selbst gibt es ja viele Faktoren, die die Qualität oder das Feedback eines Auftritts mit beeinflussen.
weltraum: Du studierst. Warum?
Iampieri: Ich studiere Soziale Arbeit in Braunschweig mit der Perspektive, neben meiner Kunst noch ein zweites Standbein aufzubauen. Später möchte ich beispielsweise im erlebnis- und theaterpädagogischen Bereich arbeiten und als Mediator Konflikte entzerren. Mich interessieren Jugendliche und Migranten mit abweichendem Verhalten und die Täter-Opfer-Therapie. Ich will ganz dicht ran an den Konfliktherd der Gesellschaft – an einen Bereich, der für unsere Zukunft so wichtig ist. Durch meine Biografie und meinen Erfahrungsschatz weiß ich, dass es möglich ist, die eigenen Ressourcen zu mobilisieren, um ein positives Leben führen zu können. Meine Erfahrung mit Projekten hat gezeigt, dass ich einiges bewegen kann.
weltraum: Was fällt dir beim Thema Zukunft ein?
Iampieri: Es gibt auf dieser Welt so viele Parameter, die man nicht beeinflussen kann. Mich nervt, dass hier wenige Einflussreiche viel zu viel auf dem Rücken der Mehrheit der Menschheit austragen. Für mein persönliches Umfeld wünsche ich mir, dass meine Familie noch lange so wie heute leben kann. Es ist der absolute Wahnsinn, was wir dürfen, was möglich ist, wie wir leben. Aber auch bei uns gibt es Probleme mit Armut und sozialer Ungerechtigkeit. Allerdings könnte man schon einiges durch gerechtere Umverteilung erreichen. Es kann ja nicht angehen, dass einige Milliarden einsacken, während viele für einen Hungerlohn arbeiten.
weltraum: Bist du ein italienischer Macho oder ein „moderner, gleichberechtigter“ Mann?
Iampieri: Das Problem ist doch, dass viele Männer in ihrer intellektuellen Auslegung total emanzipiert sind, aber das selten in der Praxis umsetzen. Der Mann hat nach wie vor den besseren Job und die Mutti bleibt – spätestens, wenn das erste Kind kommt – zu Hause. Dem habe ich mich von Anfang an entzogen. Wir haben von der Kinderbetreuung über das Kochen und den Haushalt bis zum Finanziellen immer alles aufgeteilt. Insofern bin ich seit über 20 Jahren modern. Trotz meiner Einstellung wirke ich auf Außenstehende vielleicht doch als Macho, weil ich den Unterschied zwischen Mann und Frau ganz bewusst lebe – gerade was den Bereich der sexuellen Wahrnehmung betrifft (lacht).
weltraum: Woran glaubst du?
Iampieri: Woran man glaubt, ist auch eine Frage des Gemütszustandes. Hat man unglückliche Erfahrungen gemacht, so kann man sich vielleicht weniger vorstellen, dass es einen Gott gibt oder etwas anderes Großes hinter den Kulissen: andere Dimensionen, andere Formen des Ichs. Hat man unglaubliche Erlebnisse gehabt, wurde einem etwa ein zweites Leben geschenkt, dann wird man vielleicht eher sagen: Das kann kein Zufall sein. Grundsätzlich denke ich: Es gibt so viele unterschiedliche Arten von Leid und von Grausamkeiten, dass dahinter kein sinnvoller Plan stehen kann. Insofern bin ich eher ein Nihilist, der sagt: Ich habe Glück gehabt, dass ich so gut lebe. Und deshalb glaube ich an Gott.



