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Clown gefrühstückt




Kennen Sie den schon? Zwei Jäger gehen auf die Jagd. Plötzlich greift sich der eine an die Kehle und stürzt zu Boden. Der andere Jäger gerät in Panik und ruft den Notarzt an: „Ich glaube, mein Freund ist tot, was jetzt?“ Der Arzt sagt: „Beruhigen Sie sich! Zunächst einmal müssen Sie sichergehen, dass Ihr Freund wirklich tot ist.“ Stille, dann ein Schuss. Zurück am Telefon fragt der Jäger: „O.K., erledigt und was jetzt?“
Na, haben Sie gelacht? Immerhin ist dies der angeblich beste Witz der Welt. Das jedenfalls wurde in einer Studie ermittelt, an der über 2 Millionen Menschen aus 70 verschiedenen Nationen teilnahmen.
Wenn jemand einen Witz nicht lustig findet, heißt das noch lange nicht, dass er keinen Humor hat. Sondern eben einen anderen. Denn wir lachen über Dinge, die unserem Stil entsprechen. Humorforscher Willibald Ruch meint, dass Menschen sich über etwas amüsieren, das charakteristisch für ihre allgemeine Einstellung ist. Ruch hat untersucht, über welche Witze Menschen unterschiedlichen Charakters lachen. Sein Ergebnis: Leute, für die Ordnung und Struktur im Leben wichtig sind, finden Witze komisch, die Bekanntes und Vorurteile widerspiegeln. Blondinen und Schottenwitze gehören beispielsweise zu diesem Witztypus, weil im Voraus die Aussage der Pointe klar ist: Was macht ein Schotte mit einer Kerze vor dem Spiegel? Er feiert den zweiten Advent. Menschen dagegen, die eher kreativ sind und die neue Herausforderungen suchen, mögen lieber Cartoons, unaufgelöste Pointen oder Nonsens à la Helge Schneider.
Inzwischen belegen zahlreiche Ergebnisse der umfangreichen Humorforschung: Humor ist eine universelle Sprache, deren Bedeutung weit über Unterhaltung und Zeitvertreib hinausgeht. „Heitere Gelassenheit“ beschreibt den freudvollen Zustand, der stressige Situationen, ja, sogar Schicksalsschläge, erträglicher macht. Oder wie der Volksmund sagt: Humor ist, wenn man trotzdem lacht. „Menschen mit Sinn für Humor sind angesehen und gelten als sympathisch“, ergänzt der US-Neuropsychologe Robert Provine. Dementsprechend wenig überrascht es, dass Lachen sowohl beim Flirten als auch bei der Partnerwahl von großer Bedeutung ist. Lachexperte Provine hat in den USA über 4 000 Kontaktanzeigen analysiert und festgestellt: Frauen suchen häufig Männer mit Sinn für Humor. Männer dagegen werben mit Humor. Bemüht feinsinnig scherzen Männer nur, wenn sie Frauen beeindrucken wollen. Doch wehe, wenn sie unter sich sind. Der britische Psychologe Richard Wiseman sammelte im Internet 40 000 Witze und ließ sie von der Netzgemeinde bewerten. Dabei zeigte sich: Während Frauen eher über Geistreiches, Wortgewandtes lachen, mögen Männer den überheblichen und aggressiven Witz – besonders mit sexuellen Anspielungen. Offenbar scheint gerade bei Männern Aggressivität und Humor zusammenzuhängen. So kommt eine britische Feldforschung zu dem Ergebnis: Je erwachsener ein Mann wird, desto eher wandelt er seine Aggressivität in Humor um. Humor hängt also vom Testosteronspiegel ab. Wenn das nicht lustig ist.
Schon im Kindesalter wird der Sinn für den persönlichen Spaßfaktor vorbereitet. Kinder bilden vor allem die Humorarten aus, mit denen sie soziale Anerkennung finden. So werden die eher derben, aggressiven Scherze bei Jungen weniger unterbunden als bei Mädchen. Auf diesem Wege lernen Männer eine „härtere Gangart“ in Sachen Humor. Doch offensichtlich nähern sich dem Zeitgeist entsprechend die humorigen Vorlieben der Geschlechter an. „Frauen erzählen immer häufiger aggressive Witze und demonstrieren dadurch ihr gestiegenes Selbstbewusstsein“, sagt Sprachwissenschaftlerin Helga Kotthoff. Zudem würden sich Männer inzwischen immer häufiger als Zielscheibe anbieten. Die Folge sind sogar feministisch eingefärbte Kalauer: Sitzt ein kleines Mädchen in der Badewanne: „Mami, wo ist denn der Waschlappen?“ Die Mutter: „Der ist nur schnell Zigaretten holen.“
Was beide Geschlechter allerdings in ihrem Humorverständnis verbindet, das ist der Wunsch, die Unwegsamkeiten des Lebens besser zu meistern. Statt zum Lachen in den Keller zu gehen, besuchen heute immer mehr Spaßvögel Lachclubs und Lach-Yoga-Kurse. Teilnehmer wie der weltraum Leser Jürgen Wolf schwören auf die heilsame und die Lebensqualität steigernde Wirkung von kollektiven Lachsalven. Wissenschaftlich erwiesen ist es allemal: Lachen baut Stresshormone ab und stärkt die Immunabwehr. Selbst Schmerzen werden erträglicher. Auch Mediziner wissen inzwischen um die Heilkraft des Humors und besonders Kinder sind spaßempfängliche Patienten. So arbeiten etwa die Ärzte des Altonaer Kinderkrankenhauses in Hamburg mit Klinikclowns zusammen.
Humor hat auch seine dunkleren Seiten. Dabei geht es nicht um schwarzen Humor oder die meist akzeptierte Variante der Satire. Sondern die Art von Humor, die zumindest für einzelne Personen oder ganze Gruppen gar nicht mehr so lustig erscheint – wie etwa die Mohammed-Karikaturen, die 2005 in einer dänischen Zeitung veröffentlicht wurden.
Eine Geschmacksfrage? Sicher scheint dagegen, dass hinter dem Humor eine handfeste Strategie stecken kann. Forscher Provine: „Wir lachen, um das Verhalten anderer zu beeinflussen.“ Kalauer, Spott und Ironie erzeugen Hierarchien und bilden Fronten. Die Macht der Pointe kann sogar stark genug sein, um zu manipulieren und zu verführen. Die Lust, andere zu verhöhnen, zu verletzen und auszugrenzen, scheint tatsächlich eine der stärksten Triebfedern für Humor zu sein – verbunden mit dem „Triumph“, den Menschen fühlen, wenn andere zum Gespött werden. Bereits im Kindesalter angelegt: etwas Erheiterndes im Unglück anderer zu suchen und damit ein Wir-Gefühl aufzubauen. Wir alle können uns diesem „Negativ-Humor“ nur schwer entziehen. Denn egal wie menschenverachtend etwas vermeintlich Witziges auch immer sein mag: Im ersten Augenblick fällt es schwer, dem Sog der Pointe zu widerstehen. Schnell wird man zum Komplizen, ob man will oder nicht.
Meistens funktioniert eine Pointe ganz banal. Das Prinzip: Wenn Dinge zusammenkommen, die eigentlich nicht zusammengehören oder Zweideutigkeiten ins Spiel gebracht werden. Wir lachen, wenn der gewohnte Lauf der Dinge plötzlich abbricht und ein überraschender Schluss folgt: Ein Paar am Frühstückstisch. Sie: „Schatz, nun sind wir schon 25 Jahre verheiratet. Ist das nicht schön?“ Darauf er: „Stimmt. Das ist nicht schön!“ Mittels Kernspintomograf haben Neurowissenschaftler die biochemischen Auswirkungen einer Pointe nachvollzogen: In einer Kaskade von Nervensignalen werden Gehirnregionen aktiv, die zum Belohnungssystem gehören. Botenstoffe lösen Euphorie und Erheiterung aus. Gleichzeitig lassen Nervenzellknoten die Mimik entgleisen, unwillkürlich zucken die Mundwinkel nach oben. Und fröhliche Laute entweichen so lange der Kehle, bis der Verstand wieder das Kommando übernimmt.
Übrigens: nicht nur Menschen lachen. Auch bei unseren nächsten Verwandten lässt sich das unwillkürliche Lachen beobachten. Bei Schimpansen äußert es sich, indem diese auf eine charakteristische Weise hecheln, wenn sie sich kitzeln oder Fangen spielen. Psychologe Provine glaubt, dass genau diese Situation der Ursprung des Lachens sei: „Der älteste Witz der Erdgeschichte heißt: Gleich hab ich dich.“
Sach- und Lachinfos
Lachen dient der zwischenmenschlichen Kommunikation, ist älter als die Sprache (7 Mio. Jahre) und in vielen Kulturen ein Signal des Friedens und der Freundschaft. Afrikaner lachen eher als Europäer. In der arabischen Welt gelten die Ägypter als ausgesprochen witzig, in Europa die Briten. Dem deutschen Humor fehlt angeblich aufgrund der Tradition bis heute die Leichtigkeit. +++++ Babys können von Anfang an lachen. Heranwachsende lachen immer weniger über das Gesehene oder Gesagte, sondern über die dadurch ausgelösten Vorstellungen. +++++ Gemeinsames Lachen stärkt die sozialen Bande. Besonders dann, wenn der Chef einen Witz reißt. Wer sich selbst ins Lächerliche zieht, vermindert seinen eigenen Status zum Wohl der Gemeinschaft. ++++ Angespannte, gestresste oder müde Menschen lachen weniger. Auch die Umgebung und die anwesenden Personen beeinflussen das Humorverhalten. +++++ Menschen wissen, ob das Lachen des anderen echt ist. Es wird nur dann mitgelacht, wenn instinktiv die richtigen Signale (Augendynamik, Blickrichtung, Mundstellung) erkannt werden. Lachen wird dann als sympathisch empfunden, wenn die Oberzähne entblößt werden und der ganz Körper bewegungsreich mitlacht.
Wie oft und worüber lachen wir?
Durchschnittlich lachen wir rund sechs Minuten am Tag. Vor 40 Jahren waren es noch 18 Minuten. Erwachsene lachen im Durchschnitt 15-mal am Tag, Kinder 400-mal. In Gesellschaft lachen wir 30-mal häufiger als alleine, beim Sprechen etwa doppelt so oft wie beim Zuhören. Sex belegt den 1. Platz der international beliebtesten Witzthemen – vorwiegend auf Kosten von Frauen oder Minderheiten. Lachen über Witze macht nur etwa 10 bis 20 Prozent unseres Gesamtgelächters aus. Hauptursachen des Lachens: Spaß, Schadenfreude und Kitzeln (Schutzreflex wird unterdrückt, worauf die angestaute Energie über das Zwerchfell ausbricht).
Was passiert beim Lachen?
Wenn etwas Komisches vom Großhirn erkannt wird, reagiert das limbische System (Gefühlszentrum) und regt die Lachmuskeln an. Gleichzeitig wird ein Gebiet rechts vorne im Stirnhirn ausgeschaltet (eine Art „Anstandswauwau“). ++++ Das Lachen beginnt mit einem starken Einatmen, gefolgt von einer Sequenz kurzer Atemstöße, die von einem „Ha-ha“ begleitet werden. Dann wird die gesamte Luft aus der Lunge gepresst. Jetzt gerät der Körper in Bewegung: zuerst die mimische Muskulatur mit sechs Bewegungsmuskeln an jedem Auge und 20 Muskeln auf beiden Seiten des Mundes. +++++ Bei einem kräftigen Lachen bewegt sich der gesamte Kopf und 20 verschiedene Halsmuskeln lachen mit. In der Rippenmuskulatur kommen 24 Muskeln pro Seite zum Einsatz. Insgesamt sind es sogar 135 Muskeln. Auch Zwerchfell und gerader Bauchmuskel erhärten sich rhythmisch. +++++ Beim Lachen funktioniert der Körper nach dem „Belohnungssystem“. Aktiviert wird die Gehirnregion, die Wohlbehagen als Belohnung für eine – in diesem Fall geistige – Anstrengung verbreitet. Dabei werden körpereigene Rauschsubstanzen produziert (vergleichbar mit Kokain), die ein Wohlgefühl auslösen.



