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Ein Stück Glück






Sie schmilzt auf der Zunge, löst Glücksgefühle aus, kann aber auch ganz schön bitter sein. Alles über Schokolade.
" Wenn es im Himmel keine Schokolade gibt, will ich da auch nicht hin."“ (Greta Garbo)
Wo treffen sich Menschen jeglicher Bevölkerungsschicht, quer durch alle Altersgruppen? Natürlich am Süßwarenregal. Hier sind alle gleich. Gleich jedenfalls, was die Vorliebe für schokoladenhaltige Süßigkeiten betrifft. Ob Tafeln, Riegel, Kekse, Pralinen, helle oder dunkle Schokolade, gefüllt oder nussig. Die Angebotspalette ist bunter als Smarties. Gibt es überhaupt irgendein Angebot im Supermarkt,das es mit dieser schokoladigen Vielfalt aufnehmen kann?
Gerade zur gemütlichen Jahreszeit sind zudem Baumkuchen, schokoladenhaltiges Gebäck oder heiße Schokolade gefragt.
Kein Wunder, dass zur Weihnachtszeit die Süßwarenbranche ihren stärksten Boom erlebt. Schließlich gehört traditionell der bunte Teller unter den bundesdeutschen Weihnachtsbaum. Es geht aber noch reichhaltiger, was die Spezialitäten betrifft. Betritt man ein Fachgeschäft, eine sogenannte Confiserie, so sucht man hier die Mars-Milka-Fraktion vergeblich, findet dafür aber handgeschöpfte Schokolade, Frischschokolade im Stück, Pralinen, Trüffel, die Zutaten für ein Schokoladenfondue oder Schokoessenzen für ein Body-Peeling. Hier lautet die Frage nicht: Vollmilch
oder Zartbitter, sondern: Geht es noch ausgefallener? Es geht.
Auf in eine ganz andere Schokodimension! Was darf es sein:
Schokolade mit Erdäpfelwodka, arabischen Datteln, Bergkäse- Walnüsse-Traube, Ginger-Karotte, kandierten Veilchen, Chili oder Preiselbeer-Steinpilz-Schokolade? Die Geschmacksvarianten sind reich und die Botschaft lautet: Nichts ist unmöglich. Wenn Schokolade allerdings nicht wie Schokolade aussehen soll, dann zählt auch die Form. Wir sprechen hier aber nicht über den schnöden Schokoladen-Weihnachtsmann, sondern über „Schoko-Kunst“.
Darunter könnte man etwa handgemachte Pralinés, feinstes Schokogebäck verstehen oder kunstvolle Pâtisserie-Installationen.
So etwas gibt es natürlich auch. Wir reden hier aber über eine ganz andere Schokoliga: Wie wäre es also mit Schutzengeln, Fröschen, Zigarren, Modellmotorrädern, Fußballspielern, Bierund Champagnerflaschen? Oder soll es eine Geschenkbox sein, so wie das „Ü-30-Set“ mit Lesebrille und Gebiss oder doch lieber Werkzeugkästen, Handys und Computerzubehör? Natürlich alles aus Schokolade. Wer es lieber etwas verruchter mag, der greift gleich zu den Schoko-High-Heels oder wählt das Geschenkset für gewisse Stunden. Inhalt: ein leicht bekleidetes Paar. Peitsche,Sprühsahne, Erdbeeren und Handschellen sind inklusive. Wir reden hier immer noch über Schokolade! Hinter dem riesigen Angebot
aus dem Schokoladenparadies stehen natürlich Millionen Abnehmer. Fast jeder mag Schokolade. Egal ob man verrückt nach ihr ist oder sich nur hin und wieder ein Stück gönnt. Während die einen im Vorbeigehen einen Schokoriegel verschlingen oder in Lichtgeschwindigkeit eine komplette Tafel vernaschen, gibt es die Gourmets, die beim Genuss eines einzigen Trüffels innerlich selbst wegschmelzen – oder schon beim Öffnen des Nutella-Glases vor Vorfreude die Augen verdrehen. Schokolade ist einfach ein Multitalent. Sie verbindet, sorgt für kollektive Freude und spendet gleichzeitig den Einsamen Trost. Und sei es nur vorübergehend.
Sie startet im Gaumen und landet manchmal auf der Hüfte. Sie macht schwach, kurbelt aber auch den Energiehaushalt an. Schokolade kann eine Liebesbotschaft sein, Verführung oder Belohnung, Probleme schaffen oder lösen. Sie kann Flecken
verursachen, heilsam sein oder die Krankenkasse ärgern. Sie ist ein Symbol für Luxus und Überfluss. Aber auch manchmal ein Auslöser von Glück. Und sei es nur für einen einzigen Augenblick.
Schokolade ist einfach alles – und nichts.
Jeder Deutsche isst im Durchschnitt elf Kilo Schokolade pro Jahr.
Hundert Gramm kosten in der Regel weniger als einen Euro. Schokolade ist damit im europäischen Vergleich in Deutschland am billigsten. Dass die Bauern in Afrika für ihre Arbeit nicht fair entlohnt werden, kann sich jeder Konsument denken. 42 Prozent der weltweiten Kakaoproduktion stammen aus der Elfenbeinküste.
Schon lange verdächtigen Hilfsorganisationen die Schokoladenindustrie, von Sklavenhandel und Kinderarbeit in Westafrika zu profitieren. Der dänische Filmemacher Miki Mistrati zeigt in seiner Reportage „Schmutzige Schokolade“, wie das Geschäft auf westafrikanischen Kakaoplantagen funktioniert und wie die Süßwarenkonzerne davon profitieren. Für skrupellose Kinderhändler an der
Elfenbeinküste scheint der Kinderhandel alltäglich zu sein. Berichtet wird von Kindern zwischen 10 und 14 Jahren, die aus Mali und anderen Nachbarstaaten entführt werden, um auf den Plantagen der Elfenbeinküste zu arbeiten. „Es war erschreckend einfach, Kinderarbeiter zu finden“, erklärt Mistrati gegenüber SPIEGEL ONLINE.
„Ich war auf 17 verschiedenen Plantagen und überall arbeiteten Kinder.“ Die Rohstoffhändler und Schokoladenproduzenten verteidigten sich unter anderem mit dem Argument, nicht Eigentümer der Plantagen zu sein. Um wirklich etwas an den Bedingungen im Kakaohandel zu ändern, muss neben den Verbrauchern aber auch
die Politik aktiv werden, fordert Mistrati.
Faire Schokolade – eine Alternative: Der sogenannte Faire Handel bietet den Verbrauchern eine Möglichkeit, Einfluss zu nehmen, erklärt Markus Gilles, Pressesprecher des Forums Fairer Handel. Fairer Handel garantiert eine faire Bezahlung der Kakaobauern und schließt illegale Kinderarbeit aus. Damit trägt
jede Tafel ganz konkret dazu bei, die Lebenssituation von Produzenten in Afrika und Lateinamerika zu verbessern. Insgesamt rund 1,2 Millionen Kilo fair gehandelte Schokolade werden in Deutschland jährlich verkauft – das entspricht einem sehr geringen Anteil am Gesamtmarkt von weniger als einem Prozent. Eine 100-Gramm-Tafel Vollmilchschokolade aus Fairem Handel kostet derzeit etwa zwischen 1,20 Euro bis 1,30 Euro, für manche Sorten zahlt man auch zwei Euro und mehr. „Neben der fairen Bezahlung für Produzenten und der Einhaltung von Sozialstandards spiegeln sich in diesem Preis aber auch gewisse Qualitätsstandards
wider. So wird Schokolade aus Fairem Handel ohne Zusatzstoffe und ohne gentechnisch veränderte Zutaten produziert“, erklärt Gilles.
(Quellen: Spiegel, NDR)
Wer hat‘s erfunden? - Die Geschichte
Vor etwa 3.000 Jahren lebte im Tiefland der mexikanischen Golfküste das erste zivilisierte Volk Amerikas, die Olmeken. Sie züchteten Kakaobäume und waren vermutlich die Ersten, die aus Kakao Schokolade herstellten. Später fanden sich auch bei den Maya (250 bis 900 nach Christus) Beweise dafür, dass diese
Kakao in Form von Schokolade verzehrten. Besonders begehrt war der Schokoschaum, den sie vermehrten, indem sie die Flüssigkeit von einem Gefäß in ein anderes gossen. Sie bereiteten das Getränk mit verschiedenen Gewürzen wie etwa Chili zu. Schokolade, die kalt oder warm – als Brei, Grütze und Pulver –
bereitet wurde, hatte bei den Maya einen ähnlichen Stellenwert wie bei uns heute Champagner. Bei den Azteken, sie lösten die Kultur der Maya ab, spielte die Schokolade eine ebenso bedeutende Rolle. Sie betrieben den ersten Kakaohandel mit anderen Völkern in Mittelamerika.
Den Spaniern, die das Reich der Azteken 1521 eroberten und zerstörten, schmeckte die Schokolade anfangs nicht. Sie veränderten die Zubereitung und süßten das bittere Getränk mit Rohrzucker. Außerdem tranken die Spanier ihre Schokolade heiß und fügten Gewürze wie Zimt und Anis hinzu. Und der Schaum
auf der Schokolade wurde jetzt mit einem Holzquirl aufgeschlagen.
Während die Azteken ihre Schokolade als „cacahuatl“ („Kakaowasser“) bezeichneten, verwendeten die Spanier einen für sie klangvolleren Namen: „chocolate“. Die erste offizielle Ladung Kakaobohnen gelangte im Jahr 1585 von Veracruz über den Atlantik nach Sevilla. Von Spanien aus verbreitete sich das süße Heißgetränk im 17. und 18. Jahrhundert in ganz Europa.
Die erste Schokoladenfabrik Europas, „Fry & Sons“, produzierte 1728 im englischen Bristol noch per Handarbeit. 100 Jahre später entwickelte der Niederländer Coenraad Johannes van Houten eine hydraulische Presse, mit der sich Trinkschokolade viel besser mit Wasser vermischen ließ. „Fry & Sons“ mischte
1847 van Houtens Kakaopulver und Zucker nicht mehr mit Wasser, sondern mit geschmolzener Kakaobutter und goss den zähen Teig in Formen. Das Ergebnis: Die Tafelschokolade war geboren.
1867 entwickelte der Schweizer Chemiker Henri Nestlé ein Verfahren, mit dem man Milchpulver herstellen konnte. Drei Jahre später verwendete der Schweizer Schokoladenfabrikant Daniel Peter Nestlés Pulver zur Herstellung einer neuen Schokoladenart: der Milchschokolade. Besonders dem Schweizer Rudolphe Lindt
ist es zu verdanken, dass wir die Schokolade heute in vielen Variationen
genießen können. 1879 revolutionierte er die Herstellung mit der Erfindung der Conchiermaschine. So konnte die flüssige Masse sich leicht in verschiedene Formen gießen lassen und erhielt den von uns heute so geschätzten zartschmelzenden und
aromatischen Charakter. (Quelle: Planet Wissen)



