Keine Artikel in dieser Ansicht.
Wohnungsgesellschaft mbH
Erfurter Ring 15
38444 Wolfsburg
Telefon: 0 53 61 . 791 0
Telefax: 0 53 61 . 791 136
E-Mail: willkommen[at]nld.de
Vertraute Verbindung








Einem ganz alltäglichen Phänomen auf der Spur: Was Sie schon immer über Freundschaft wissen wollten.
Freundschaft ist, wenn dich einer für gutes Schwimmen lobt, nachdem du beim Segeln gekentert bist. (Werner Schneyder)
Was verbindet Asterix und Obelix, Old Shatterhand und Winnetou oder Carrie, Samantha, Charlotte und Miranda in der TV-Serie Sex and the City? Ganz klar: Freundschaft. Auch im realen Leben gestalten Freunde den Alltag einfach freundlicher. Sie begleiten uns durch Krisen und helfen beim Umzug. Mit Freunden teilt man Geheimnisse, Ängste, Glücksmomente und manchmal sogar sein letztes Hemd. Auf Freunde kann man sich sogar dann noch verlassen, wenn man sich selbst bereits von allen guten Geistern verlassen fühlt. Egal, wie gewöhnlich oder außergewöhnlich die Freundschaft auch sein mag: Fast jeder von uns legt großen Wert auf freundschaftliche Beziehungen.
Was aber genau ist Freundschaft – wie lässt sich dieses Phänomen beschreiben? Am besten kann man sich vielleicht noch mit dem Versuch von Juliane Härtwig anfreunden: „Eine auf Freiwilligkeit und Gegenseitigkeit beruhende, persönliche Beziehung von unbegrenzter Dauer, die durch Austausch intimer Gedanken und Gefühle und ein hohes Maß an Vertrauen gekennzeichnet ist.“ Was Freundschaft für unser Seelenleben bewirkt, darüber können Psychologen einiges erzählen: Nicht nur in der Kindheit und Jugend unterstützen uns Freunde bei der Herausbildung unser Identität und Persönlichkeit. Sie vermitteln Sicherheit, Geborgenheit, Vertrauen und stärken das Selbstwertgefühl. Freunde „spiegeln“ uns, indem sie uns ehrlich – meistens jedenfalls – sagen, wie sie uns sehen. Wir fühlen uns in ihrer Gesellschaft wohl und haben, wenn alles gut geht, vor allem eins: gemeinsam Spaß. Freundschaft unterscheidet sich vom reinen Zweckbündnis, weil sie auf echter Sympathie beruht. Sogar Attraktivität – körperliche, soziale oder gesellschaftliche – spielt eine Rolle. Und am wahrscheinlichsten sind Freundschaften zwischen Menschen, die sich in vielerlei Hinsicht ähneln: etwa in Bezug auf Alter, Familienstand, Sozialschicht, Bildungsniveau, Beruf, Werte und Einstellungen. Dabei brauchen die individuellen Eigenschaften nicht unbedingt identisch zu sein. Es muss aber, so meinen Soziologen, ein gewisses Gleichgewicht der „persönlichen Ressourcen“ herrschen. Im Klartext: Die Vorzüge des einen sollten sich mit den Vorzügen des anderen die Waage halten.
Wie entsteht eigentlich Freundschaft? Der Auftakt einer gemeinsamen Geschichte lässt sich naturgemäß umso unkomplizierter entwickeln, je jünger man ist. In der Kindheit wird der Freundschaftspakt oft schon mal per Blickkontakt geschlossen und die Sandkastenfreundschaft ist besiegelt. Auch in der Schulzeit und im Teeny-Alter öffnen sich ständig neue Türen, um das Band der Freundschaft zu knüpfen. Freunde oder solche, die man dafür hält, kommen und gehen. Enttäuschungen auch. Echte Freunde aber bleiben. Später wird es nicht einfacher, weil es an Möglichkeiten mangelt oder die Ansprüche steigen. Wahre Freunde findet man eben nicht an jeder Straßenecke. Oder doch? Schauspielerlegende Peter Ustinov glaubt im Gegensatz zur öffentlichen Meinung nicht, „dass Freunde die Menschen sind, die wir am meisten mögen. Sie waren nur zuerst da.“ Hinter dieser zynisch angehauchten Einschätzung steckt tatsächlich ein psychologisch erwiesenes Prinzip: Auch wenn wir Freundschaften aufgrund gegenseitiger Sympathie, gemeinsamer Werte oder Interesse pflegen, zustande gekommen sind sie aber oft aus dem Zufall der räumlichen Nähe. Dieser Effekt wurde 2008 in einer Studie der Uni Leipzig bestätigt. Die zufällige Sitzposition von Studenten im Hörsaal zum Zeitpunkt des ersten Kennenlernens beeinflusste die Entwicklung von Freundschaften erheblich. Und die Realität belegt diese wissenschaftliche Erkenntnis. Mehr als die Hälfte aller Freundschaften entstehen in der Nachbarschaft. Ob also die gemeinsame Schule, Verwandte oder Nachbarschaft, der Arbeitsplatz oder Verein: Wem wir uns eines Tages anvertrauen, beruht womöglich mehr auf Zufall als auf bewusster Auswahl.
400 Freunde, geht das? Bei Facebook schon. Man erhält im sogenannten sozialen Netzwerk die Freundschaftseinladung einer mehr oder weniger bekannten Person, klickt auf „bestätigen“ und gewinnt einen neuen Freund. Masse statt Klasse? Wahrscheinlich. Denn bei nicht wenigen Menschen gilt die Anzahl der (Online-)Freunde als Maßeinheit für die eigene Popularität und gaukelt auch dort Anerkennung vor, wo möglicherweise eher Langeweile oder Einsamkeit herrscht. Allerdings bieten Onlineportale auch ihre Vorzüge. Man kann unkompliziert mit Gleichgesinnten in Verbindung treten, sich real verabreden und den Kontakt vertiefen. Eine gute Möglichkeit also für alle, die sonst nicht oft rauskommen oder zu schüchtern sind für die Kontaktaufnahme im wahren Leben. Trotz oder gerade aufgrund der neuen Kommunikationsmedien: Viele Leute kennen zwar viele Leute, haben allerdings in Wirklichkeit gar keine richtigen Freunde. So, wie es früher Kinder gab, mit denen keiner gerne spielen wollte. Glaubt man den Umfragen, haben zwei von zehn Deutschen gar keinen guten Freund. Mögliche Ursachen: häufige Ortswechsel, keine Zeit, aber auch Angst vor Nähe und Verpflichtung. Die Soziologin Ursula Nötzoldt-Linden sieht einen weiteren Grund in dem Mangel an Empathie – also der Fähigkeit, sich in andere hineinzuversetzen und Gefühle für sie zu entwickeln.
Aber brauchen wir überhaupt Freunde? „Alle Menschen brauchen Freunde“, wusste schon Aristoteles vor mehr als 2.300 Jahren. Auch in Umfragen über die Glücksvorstellungen der Deutschen rangiert Freundschaft ganz weit vorne. Freundschaften scheinen sogar immer wichtiger zu werden. Schließlich verringert sich die Zahl der Verwandtschaft, gleichzeitig lockert sich die Familienbande immer mehr. Und wir erleben unsichere Zeiten, gewöhnen uns an hohe Scheidungs- und Trennungsquoten, mit Patchwork-Chaos und Kurzzeitpartnern. Freundschaften bieten da immerhin eine stabile Basis. Ob wir nun einer vermeintlichen Illusion folgen und tatsächlich Seelenverwandte finden oder uns am Ende nur selbst ein Stück näherkommen: Freundschaft ist aus dem gleichen Stoff gewebt wie Liebe. Diese kostbare Rarität bleibt in rauen Zeiten der allerletzte Fluchtpunkt und in schönen Momenten eine wunderbare Oase.
Fakten über Freunde
63 % der Freunde von Befragten einer deutschen Studie bewegten sich auf dem selben Bildungsniveau wie diese.
Bis zu 80 % entstammen Freunde dem eigenen Geschlecht. Unter jüngeren Erwachsenen ist der Anteil der andersgeschlechtlichen (platonischen) Freunde noch relativ am höchsten, im Alter am niedrigsten.
Es besteht ein Zusammenhang zwischen sozialer Isolation und der Anfälligkeit für körperliche und seelische Erkrankungen sowie Selbstmordneigungen. Oft haben es kränkliche Menschen schwerer, Freunde zu finden. Man weiß allerdings auch, dass soziale Beziehungen und Freundschaften viel gefährlichen Stress abmildern.



