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Die Wolfsburg-WG



Der Aufkleber auf dem kleinen roten Kasten in der Küche zeigt gleich, wo´s lang geht: "Auch du hälst die Küche sauber!" steht dort und erinnert etwas an die "Du bist Deutschland" Kampagne. Nur müsste es hier heißen "Du bist WG". Knapp über zwei Jahre bilden Sebastian, Robert, Nina und Marcel jetzt eine Wohngemeinschaft, und alle sind sich einig: "Ohne etwas Disziplin und Ordnungsliebe funktioniert selbst die liberalste Wohnform nicht." Spätestens, wenn das Bad versifft, die Küche vor Geschirr überquillt und die x-te Party Spuren hinterlassen hat, ist Schluss mit lustig. "Wer in einer WG wohnen will, muss einige Eigenschaften mitbringen: Toleranz, Verantwortung und Kommunikationsfähigkeit", weiß Sebastian. Der 22-jährige Fachoberschüler hat mit Jugendfreund Robert die WG gegründet. Ein Klassiker, wenn es um junges Wohnen geht. "Es hat zu Hause mit den Eltern halt nicht mehr so geklappt. Außerdem hab ich mir mit meinem Bruder das Zimmer geteilt", erzählt Robert und klatscht in die Hände, um die Konfrontation zu verdeutlichen. Eine eigene Wohnung war finanziell nicht drin, Kumpel Sebastian wollte grad auch zu Hause raus, also die Idee mit der WG. Per Zeitungsannonce stießen Nina und Marcel hinzu.
"Klar hat man als Frau unter Männern eine Sonderrolle, aber wenn man sich nicht über alles aufregt, läuft´s ganz gut", lacht die 25-jährige Nina und erntet von den männlichen WG-Insassen einen missbilligenden Blick. Und nicht immer läuft alles glatt: Als der Putzplan vernachlässigt wurde, gab es Ärger. Seitdem leisten sich die Vier eine Putzfrau einmal die Woche. Kostenpunkt: zehn Euro für jeden.
Immer mehr junge Menschen drängt es wie unser Quartett auf dem Weg ins Berufsleben, sei es über Studium oder Ausbildung, in eine Wohngemeinschaft. Viele verzichten dafür auf persönlichen Freiraum zugunsten des "Wir-Gefühls" mit Freunden oder sogar mit wildfremden Menschen und nicht immer ist nur das Geld ausschlaggebend. Marcel: "Die Partys, die hier gefeiert werden, sind einfach lustig, und wenn sich alle an die Regeln halten, gibt´s auch im Alltag kaum Probleme." Interessant ist vor allem das wachsende Verantwortungsgefühl, das sich bei den WGlern entwickelt, die gerade im "Hotel Mama" ausgezogen sind. "Wenn zum Beispiel einer nicht aufgeräumt hat, ertappe ich mich dabei, wie ich denjenigen mit Sätzen konfrontiere, die früher meine Eltern zu mir gesagt haben", lacht Robert und fügt grinsend hinzu: "Mama, du hattest mit allem Recht."
Auch Wolfsburg wird nicht zuletzt durch die Auto-Uni wohl immer mehr zum WG-Standort werden. Schon 2005 hatte die NEULAND eine zehn Prozent höhere Nachfrage nach 2er-, 3er- oder 4er-WG-Räumlichkeiten zu verzeichnen. "Wir haben auf die Kundenwünsche reagiert und bieten gerade zentral in der Innenstadt verstärkt Wohnraum für Wohngemeinschaften an", erzählt Birgit Ischt, NEULAND WG-Expertin. Besonders rund um die Fachhochschule, etwa in der Poststraße, Kleiststraße oder am Robert-Koch-Platz entstehen immer mehr WG-Wohnungen, von der NEULAND zur Verfügung gestellt mit gemeinsam nutzbaren Räumen wie Bad oder Küchenbereich mit Herd und Kühlschrank.
Wer sich für WG-Wohnen interessiert, kann bei der NEULAND mit einer umfangreichen Beratung rechnen. Über eine Neukundenberaterin erfolgt der erste Kontakt. "Dabei klären wir zum Beispiel, in welcher Lage die Wohnung sein soll, wo sich Ärzte befinden oder wie die Busverbindung ist", erklärt Birgit Ischt. Die gestiegene Nachfrage hat aber auch eine Schattenseite: Gerade zu Beginn eines Semesters kann es für Wohnungssuchende zu Engpässen kommen. "Wer in einer WG wohnen möchte, sollte sich also frühzeitig melden", empfiehlt Birgit Ischt.
Dieses Problem haben Marcel, Sebastian, Robert und Nina nicht mehr. Und obwohl es bei so vielen unterschiedlichen Charakteren auch mal kracht, möchte die Viererbande auf das WG-Leben im Moment nicht verzichten: "Wenn man einen zum Reden braucht, ist immer einer da", beschreibt Sebastian die Form von Nestwärme, die einem eine eigene Single-Wohnung nicht bietet. Nina: "Wir wissen alle, dass sich das irgendwann mal auflöst und der eine oder andere auszieht. Aber das ist okay. Entweder man geht dann auch oder man sucht sich einen neuen Mitbewohner." Darin liegt übrigens ein weiteres Geheimnis des WG-Wohnens: Man muss sich relativ schnell "beschnuppern" können, wer denn in die Wohngemeinschaft überhaupt reinpasst. "Das weiß man aber schon meistens nach dem ersten Gespräch", so Robert. Dabei geht es nicht nur um Sympathie, sondern auch um ganz selbstverständliche Dinge: Ist derjenige zum Beispiel zuverlässig und hält sich an Absprachen?
Tipps für alle Neu-WGler haben die "alten Wohnhasen" einige auf Lager. Ganz oben auf der Liste: Respektierung der Privatsphäre. "Bei uns gilt: Wenn die Tür zu ist, wird nicht gestört. Gepinkelt wird nur im Sitzen, und wenn Zeug rumliegt, wird es weggeräumt, am besten in Eigeninitiative", bekunden die Vier unisono. Was so ein bisschen klingt wie Kasernen-Ton, ist in der Tat nur der kleinste gemeinsame und notwendige Nenner. Der Rest ist liberales Wohngefühl.



