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Eine Woge rollt durch Celle

 


Im Januar besuchten Geschäftsführerin Kerstin Mallwitz und WOHNsinn-Projektleiterin Beate Gröger die Wohnungsbaugenossenschaft CBS (Celler Bau und Sparverein e. G.) und das gemeinschaftliche Wohnprojekt „Wo-Ge“.

Dabei sollten Erfahrungen ausgetauscht und weitere Anregungen für das eigene Projekt gewonnen werden. So wollten die Wolfsburger hinter die Ku-lissen des vier Jahre alten Projekts „Hattendorfstraße“ blicken. Die CBS verfügt dort in dem multikulturellen ehemaligen Arbeiterviertel über 120 Wohnungen, die zum Teil schon 1903 gebaut wurden und jetzt nach und nach für zukunfts-orientiertes Wohnen umgestaltet werden. Fritz Stünkel, Geschäftsführer der CBS, berichtete: „Wir wollten in der Hattendorfstraße Anreize und neue Wohnthemen schaffen. Der Kontakt zur W0-Ge wurde sehr schnell sehr produktiv.“ Mit viel Geduld und gegenseitiger Kompromissbereitschaft entstand der Plan für ein gemeinschaftliches, barierrearmes Wohnprojekt, in dem heute zehn jung gebliebene Damen in zwei Häusern leben. Bei der Modernisierung wurden sowohl auf die seniorengerechte Ausstattung als auch auf energetische Aspekte großen Wert gelegt. Der zuständige Architekt Albert Haake erinnert sich: „Die Bewohnerinnen konnten mitgestalten und waren in jeder Bauphase mit dabei.“ Inzwischen sind aus den Ideen konkrete Vorstellungen geworden. Der Masterplan zeigt, dass die Hattendorfstraße immer attraktiver wird und neue Interessenten für ein gemeinschaftliches Wohnprojekt anzieht. Auch Wohnungen für Alleinerziehende und ein Kindergarten sind in Planung. Bereits eröffnet sind eine Tagespflege für Demente und der Nachbarschaftstreff „Capito“. Hier traf der Wolfsburger Besuch auf eine Damengruppe, die aus dem reichhaltigen Erfahrungsschatz einer erfolgreichen Projektarbeit berichten konnte. Clothilde Vette, Vorsitzende der Wo-Ge, erzählt: „2005 waren wir über 20 Interessierte, die sich nach einer Veranstaltung der Hospizgesellschaft getroffen hatten. Dabei geblieben sind fünf und weitere fünf Damen kamen dazu. Frau Tjaden-Jöhren, die ja auch das Wolfsburger Projekt betreut, hat uns auf den Teppich geholt und unsere Vorstellungen der Realität angepasst. Gemeinsam mit der CBS konnten wir unsere Ideen realisieren, obwohl diese Gegend ja damals auch nicht gerade als die feinste galt. Inzwischen ist die gesamte Straße durch die neuen Projekte stark aufgewertet worden und wir fühlen uns hier richtig wohl.“ Wichtig sei, das bestätigen auch die anderen Damen aus der Runde, dass man sich selbst ernsthaft prüft und sich schon vorher eine gute Gemeinschaft bildet und entwickelt. Wie stark die Gemeinschaft wirklich ist, zeige sich allerdings erst im täglichen Zusammenleben – und besonders in Notsituationen. Genau da aber habe sich ihre Gemeinschaft bewährt, so der Tenor der Damen. Allen, die ein ähnliches Projekt realisieren wollen, könnten sie nur empfehlen: geduldig bleiben, sich möglichst früh näher kennenlernen, gemeinsame Ziele und Wünsche abstecken und auch mal ein paar „Externe“ von außen dazuholen. Sein altes Zuhause für ein noch fremdes aufzugeben, sei kein Zuckerschlecken, betonten die Damen, aber es lohne sich auf jeden Fall. Nach einem Rundgang durch die sehr ansprechend gestalteten Häuser und der Besichtigung einer Wohnung kam der Wolfsburger Besuch zu dem Schluss: ein tolles Vorzeigeprojekt, an dem wir uns auch in Wolfsburg gut orientieren können.

Margret Thiel lebt in der Hattendorfstraße und weiß, wie das ist, wenn man als Erste in ein gemeinschaftliches Wohnprojekt einzieht: „Plötzlich stand ich alleine mitten in einer neuen Umgebung, in einer mir noch fremden Wohnung. Das war schon ein bisschen unheimlich.“ Damals glich das Ganze mehr einer Baustelle als einem gemütlichen Heim. Die selbstbewusste Pionierin kümmerte sich allerdings lieber um praktische Fragen der Wohnungseinrichtung als um ängstliche Gefühle. Nach und nach zogen ihre Mitbewohnerinnen ins Haus und allmählich füllte sich ihre gemeinsame Idee mit Leben. Selbstständig in eigenen Räumen wohnen wollten sie und sich dennoch geborgen fühlen im Kreis einer Gemeinschaft. Margret Thiel hatte vor dem Projekt fünf Jahre alleine gelebt und genießt es bis heute, dass sie jetzt Tür an Tür mit vertrauten Menschen wohnt. „Man muss ja nicht alles zusammen machen“, sagt sie, „aber es ist ein wunderbar wohltuendes Gefühl, wenn immer jemand da ist.“  Schwierige Phasen lassen sich erfolgreich meistern, weil alle Bewohner schon während der zweijährigen Projektvorbereitung gelernt hatten, wie man Berührungspunkte findet und Konflikte löst. Und wohl auch deshalb, weil sie als Gruppe wunderbar zusammenpassen und sich gegenseitig bereichern. Gemeinsam setzen sie auch weiterhin ihre Ideen in die Tat um. „Im Moment erarbeiten wir für jeden von uns einen sogenannten Notfallbogen“ , erzählt Margret Thiel, „der alle Informationen enthält, die wir brauchen, wenn eine von uns ein schwerwiegendes medizinisches Problem hat und möglicherweise nicht mehr ansprechbar ist.“ Ihren Schritt in die Gemeinschaft habe sie nie bereut, sagt sie und ergänzt: „Ich wünsche mir, dass alles so schön bleibt, wie es heute ist.“