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„Wir ergreifen Partei“

 

Eine erschreckende Zahl: Jede vierte Frau in Deutschland erlebt körperliche und/oder sexuelle Übergriffe durch ihren Partner – einmal oder mehrmals. Auch Männer erfahren häusliche Gewalt. Das Verhältnis von männlichen zu weiblichen Opfern wird auf eins zu fünf geschätzt. Doch mit wem kann man darüber sprechen? Wo Hilfe finden? Ein wichtiger Kontakt in Wolfsburg ist seit 2001 die Beratungs- und Interventionsstelle „Courage“. „Gewaltopfer benötigen einen Schutzraum. Deshalb arbeiten wir parteiisch. Wir stellen uns auf die Seite des Opfers“, erläutert Sabine Försterling. Gewalt, betont sie, könne dabei viele Formen haben. „Schläge oder Tritte kann man beweisen. Wer psychische Gewalt erlebt, ist oft in einer schwierigeren Situation.“ Sehr ernst zu nehmen sei auch ökonomische Gewalt: „Manch einer bekommt keinen Cent in die Hand.“ Die Opfer, so Daniela Cevik, seien oft isoliert. „Häufig machen sie sich Vorwürfe. Viele leiden unter Schlafstörungen oder Depressionen.“  

Courage bietet einen Ort, an dem den Opfern geglaubt und zugehört wird – an dem die Taten nicht bagatellisiert werden. „Wir schauen zunächst: Ist das Opfer in Sicherheit?“, berichtet Sabine Försterling. Anschließend wird gemeinsam nach Wegen aus der Krise gesucht. „Wer zu uns kommt, ist oft eingeschüchtert, weil ihm gedroht wurde: ‚Wenn du dich trennst, verlierst du alles.‘ Wir machen deutlich: So einfach ist das nicht.“ Bei Bedarf helfen die Mitarbeiter bei der Suche nach Psychotherapeuten, Rechtsanwälten und Dolmetschern sowie beim Umgang mit Ämtern und Behörden.

„Welche Möglichkeiten habe ich? Was passiert dann? Das sind Fragen, die wir besprechen“, verdeutlicht Matthias Müller, der bei Courage in erster Linie männliche Opfer von Gewalt berät. Bei der Beratungsstelle Balance ist er zudem – gemeinsam mit Lore Seyfried – Vertrauensperson für sexuell missbrauchte Kinder und Jugendliche. Teil der Arbeit ist das Präventionsprojekt „Starke Kinder“ an Wolfsburger Grundschulen.

Dachverein von „Courage“ und „Balance“ ist der Dialog e. V. (Goethestraße 59). Dritte zugehörige Einrichtung ist die „Rote Zora“, das Zentrum für Mädchen und junge Frauen in der Porschestraße 90. „Mädchen, die zu uns kommen, müssen keine Gewalt erlebt haben.  Sie können hier an Gruppen und Aktionen teilnehmen, werden begleitet und in ihren Stärken und Schwächen gefördert“, berichtet Katja Schaper. So sind die Grenzen zwischen den drei Einrichtungen fließend. „Wir arbeiten Hand in Hand. Es gibt viele Berührungspunkte. Wer beim Dialog e. V. anruft, ist immer richtig“, betont Daniela Cevik. Nähere Information unter Telefon 0 53 61/8 91 23 00.