NEULAND-Blog

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Kategorie-Archiv: Service

| 05.03.2014 | 09:26 Uhr

Allgemein, Hausmeister, Service : What does it mean “Schranktrocken“?

Andreas Lutz

Mein Telefon hat verdächtig lang nicht mehr geklingelt. Ungewöhnlich lang. In diesem Augenblick klingelt es. Man soll solche Gedanken nicht haben!!! Es hätte nie geklingelt wenn ich nicht daran gedacht hätte. Davon bin ich überzeugt.

Ich schaue auf das Display meines Handys und erkenne die Nummer eines Kollegen aus der Geschäftsstelle.

“Guten Tag, die Neuland, Hausmeister Lutz, was kann ich für sie tun?”

Ich sage das sehr betont. Fast schon melodiös, seit ich mich mal mit “Was is’n? “ meldete und dafür einen Rüffel kassiert habe.

“Hallo Andreas. Hast du mal Zeit? Oder hast du was zu tun? Ich hab hier den Herrn Populopulus aus der Heinrich-Heine-Straße. Zu seiner möblierten Wohnung gehört auch ein Wäschetrockner. Kannst du ihm die Funktionen mal erklären? Also die Bedienung? Ich meine, weil du doch griechisch sprichst. Er spricht nämlich überhaupt kein Deutsch.“

So, jetzt mal eins nach dem Anderen. “Erstens”, sage ich,  “nein, ich habe keine Zeit. Denn hätte ich Zeit würde das ja bedeuten ich hätte nichts zu tun. Und Hausmeister sein und nichts zu tun haben ist ein Widerspruch in sich. Zweitens: Siehe Erstens. Und Drittens: Ich spreche nicht griechisch, sondern italienisch. Und das noch nicht mal gut“.

„Aber Englisch sprichst du doch.“ “Ich hatte ‚ne 4 in Englisch” gebe ich ihm zu verstehen. “Im B-Kurs. Auf der Hauptschule“.

“Na ist doch super. Dann fahr da mal hin und mach das mal“. “Würdest mir einen riesen Gefallen tun”.

Ich glaube er hat mir gar nicht zugehört.

Ach was soll’s. Im Grunde sollte das für einen Kosmopoliten wie mich kein Problem darstellen.

Ich hab schließlich schon ganz andere Dinge gemeistert. Ich erinnere mich beispielsweise daran, dass ich… obwohl… Wenn ich genau überlege fällt mir echt keine Aufgabe ein, die komplizierter war als jene, auf die ich gerade zusteuere.

Na ganz toll. Ich weiß noch, dass ich mal eine griechische Freundin hatte, als ich 19 war. Und um ihre Familie zu beeindrucken wollte ich ein paar Brocken Griechisch lernen. Aus diesem Grund hatte ich mir damals  “Langenscheidts Praktisches Lehrbuch Neugriechisch” bei Großkopf gekauft. Ich hab aber nie reingeguckt, weil ihr Vater ihr sagte, dass er jeden Kerl, der kein Grieche wäre, eigenhändig zu Gyros verarbeiten würde. Da half es auch nichts, dass ich Andreas hieß. Ein Name der nachweislich aus dem Griechischen stammt. Wir haben uns dann erstmal vorsichtshalber für immer getrennt. Hätte ihr Vater damals gegenüber Ausländern wie mir nicht so eine Abneigung gehabt, dann würde ich sicherlich griechisch sprechen und müsste mir jetzt keinen Kopf machen. (Das Buch hab ich noch. Ist noch wie neu. Also wenn jemand Interesse hat…)

Aber ein Wort kann ich ja. Damit kann ich ja erst mal anfangen.

Das muss Herr Populopulus sein, denke ich, als ich den freundlich dreinblickenden Herrn am Hauseingang stehen sehe. Ich werde also schon erwartet. “Kalimera” begrüße ich ihn. Damit ist mein Griechisch dann auch schon erschöpft. Ab jetzt wird improvisiert. Mein Gegenüber allerdings konnte das ja nicht ahnen und erzählte in seiner Landessprache munter drauf los. Würde mir genauso gehen, wenn mir in Johannesburg ein Schwarzafrikaner zur Begrüßung ein “Hallo, Guten Tag” entgegenbrächte. Ich käme ja auch nicht darauf, dass das alles ist was er kann.

“Moment please” falle ich ihm ins Wort.

“Äh…I can not  speak…” – was heißt denn Griechisch auf Englisch? “I can not speak grease. Nee! Nicht grease! Ich versuche es erneut. Der gute Mann schaut jetzt doch sehr verwundert. “My name is Mister Lutz. I am the… “  housemaster? überlege ich. Blödsinn! Oh je. I am… I will help you with the drymachine.

Ich krieg ‚ne Krise. Ich rede ja noch bekloppter als Lothar Matthäus auf der Pressekonferenz der New Jersey MetroStars.

Spontan fällt mir da der ehemalige Außenminister Guido Westerwelle ein. Der sagte einem Reporter der BBC mal: “Es ist Deutschland hier. Bitte stellen Sie Ihre Fragen auf Deutsch.” – Respekt!

Man stelle sich vor der Außenminister von Äquatorialguinea würde sagen: “Es ist Äquatorialguinea hier. Bitte stellen Sie Ihre Fragen auf Fang, Bubi oder Kreolisch.”

In Burkina Faso hätte er es dann sogar noch etwas leichter. Da könnte er sich aus ca. 70 afrikanischen Sprachen eine aussuchen.

Aber ich bin ja nicht der Außenminister.

Ich bin Hausmeister Lutz.

Also noch mal ganz von vorn.

“My name is Andreas Lutz. I am from the Neuland and I will help you to use the drymachine.”

“Do you unterstand me?”

Der Grieche nickt.

Aber sein Gesichtsausdruck verrät mir, dass er mindestens genauso wenig verstanden hat, wie ich mich im Gegenzug genauso wenig verständlich ausgedrückt habe.

Gemeinsam machen wir uns auf den Weg in den Waschkeller.

“Do you know the meaning of the word „Knitterschutz“?”, frage ich ihn während wir auf der Treppe nach unten sind.

Herr Populopulus lächelt.

“Wollpflege or Mischgewebe”?

“Do you know the word Schranktrocken?”

Na, das wird ein Spaß!


| 15.11.2013 | 10:02 Uhr

Allgemein, Hausmeister, Service : Die Sache mit dem Müll

Andreas Lutz

Montag 07:00 Uhr: Arbeitsbeginn. Stimmt nicht ganz, denn eigentlich bin ich schon seit 05:30 Uhr unterwegs. Heute beginnt eine ungerade Kalenderwoche und das heißt für mich: “Bio-Tonnen an die Straße stellen“. So eine volle Bio-Tonne stinkt nicht nur zum Gotterbarmen, sie ist auch richtig schwer. Und sie sorgt auch für den richtigen Sound, wenn man sie, wie ich jetzt, über Kopfsteinpflaster zieht. Wer, wie z.B. Familie Müller Meier Schmidt, unter deren Schlafzimmerfenster ich gerade polternd die Tonne vorbei ziehe, bei offenem Fenster schläft, dürfte spätestens jetzt wach sein. Dazu kommt die Duftspur der Verwesung, die sich wie ein unsichtbarer Schleier seinen Weg durch das auf Kipp stehende Fenster sucht. Ich habe nur eine wage Vorstellung davon, wer mich heute Morgen alles zum Teufel wünscht. Dabei ist es nun wahrlich nicht meine Schuld (ist es sowieso nie), dass ich schon früh am Morgen Krach machen muss. Die Müllabfuhr beginnt um 06:00 Uhr mit der Abholung und bis dahin müssen alle meine Tonnen an der Straße stehen. Basta. Als Hausmeister muss Mann tun was Mann tun muss.

Bis jetzt war mein Diensthandy ausgestellt. Aber nun, da es 07:00 Uhr ist und meine Arbeitszeit offiziell beginnt, schalte ich es ein. Gleich wird es piepen und mir sagen, dass ich Anrufe in Abwesenheit hatte und dass meine Mailbox Nachrichten für mich bereit hält. Bingo! Auf mein Handy ist Verlass! Ich habe 9 Anrufe in Abwesenheit und auf meiner Mailbox warten 2 Anrufe darauf, abgehört zu werden. Bei den 9 Anrufen in Abwesenheit handelt es sich immer um die gleiche Nummer. Das ist nicht gut. Wenn jemand so oft versucht hat anzurufen, dann muss es wichtig gewesen sein. Hab ich gestern irgendjemand versetzt? Vielleicht einen Studenten, dem ich die Schlüssel für sein Studentenzimmer übergeben wollte? Einen Studenten, der extra aus “Ganz Weit Weg” angereist kam und nun, da ich nicht zum verabredeten Termin erschien, in seiner Verzweiflung wieder und immer wieder meine Nummer anrief? Die Nummer seines Hausmeisters. Seinem einzigen Ansprechpartner in der Fremde. Vielleicht seinem einzigen Freund, den er in dieser Stadt jemals haben wird. Allein in Wolfsburg. Diesem Schmelztiegel des … Ach was soll’s… ich werde mich später darum kümmern. Ist eh zu früh um zurückzurufen.

Vielleicht ein Wort zur Erklärung.

Ich habe die Erfahrung gemacht, dass zimmersuchende Studenten, die von so “Ganz Weit Weg” kommen und daher ein Zimmer vor der Anmietung nicht selbst in Augenschein nehmen können, hin und wieder davon ausgehen, dass der Hausmeister auch nach Feierabend noch im Gebäude anzutreffen ist. Der geneigte Leser weiß natürlich, dass dem nicht so ist. Alle anderen wissen es bitte jetzt. In meinem Fall sitzt der Hausmeister nach Feierabend in der Regel vor dem Fernseher und nutzt sein Sky Abo. Und das Handy ist aus. Apropos Handy!

Jetzt erst mal die Mailbox abhören. Anruf 1 – Freitag 26.6.  19:34 Uhr: “ Hallo, ist da der Hausmeister? Ich wollte nur sagen, dass bei uns im Treppenhaus die Birne kaputt ist. Ich dachte es gehört zu Ihren Aufgaben das zu kontrollieren. Ich frag mich, wann da mal jemand kommt und das repariert. Oder muss erst jemand stürzen? Trotzdem, schönen Tag noch.”

Kein Name. Keine Adresse. Keine Telefonnummer um zurückzurufen. Na ja, bei 75 Hauseingängen die ich betreue… für mich ein Klacks. Da hab ich ja schon mal eine schöne Aufgabe für heute.

Anruf 2 – Freitag 26.6. 19:36 Uhr: “Ja, ich noch mal. Mein Name ist Rotleff, Lessingstraße 97. Wegen dem Licht.” Na siehste, geht doch. Auf einen Schlag hab ich mir mindestens 4 Stunden Sucherei erspart. So gesehen hab ich die ja jetzt übrig. Könnt ich ja heute eher gehen.

Das mit der Birne im Treppenhaus mach ich später. Aber ich schreib mir das mal lieber auf. Bevor ich es vergesse. Ich fühl mich sicherer, wenn ich immer alles aufschreibe. Ich hab so ein ganz tolles Notizbuch geschenkt bekommen in das ich alles reinschreibe. Sie stehen bestimmt auch schon mit drin. Ich schäme mich nicht zu sagen, dass mein Gedächtnis zu 80 Prozent aus Rindsleder besteht.

In diesem Notizbuch steht auch drin was ich mir für heute vorgenommen habe. Als Erstes: Mülltonnenplätze sauber machen. Das ist übrigens ein Eintrag den ich niemals abhaken kann. Dieser Eintrag bleibt dauerhaft in meinem Büchlein, denn er ist von immerwährender Gültigkeit. Müllplätze sind in den meisten Fällen wahre Müllplätze. Ich habe mich bereits mit allem bewaffnet, was ich zum Säubern eines Müllplatzes brauche. Ich habe es ordentlich im Anhänger meines Dienstfahrrads verstaut. Mein Dienstfahrrad ist mein ganzer Stolz! Ein Dreigang Damenrad mit Körbchen am Lenker. Da kann man sicherlich im Laufe der Jahre noch nachbessern.

Ich erreiche ziemlich schnell den Platz, der es am nötigsten hat. Die fein säuberlich neben den Tonnen abgestellten Abfallsäcke sind leer und der Inhalt liegt wie ein Teppich über dem Platz verteilt. Mein Blick fällt auf den Handpuster. Damit hätte ich in Sekunden alles zusammengepustet. Bräuchte es nur in die Restmülltonne zu schaufeln. Ich hab gelesen so ein Handpuster ist so laut wie eine vorbeifliegende F 16. Mit dem Unterschied, dass diese F16 ja nicht vorbei fliegt. Sie kreist vielmehr über dem Müllplatz. Dann halt doch lieber oldschool. Zu einem richtigen Hausmeister gehört eben auch ein richtiger Straßenbesen.

Obgleich ich sagen muss, dass mir ein Mieter schon mal zu Dank verpflichtet war als ich ihn durch das Geräusch (“Krach” ist so ein hässliches Wort) meines Pusters aus dem Schlaf gerissen hatte. Sein Wecker hatte in der Nacht den Geist aufgegeben und nur durch mich und meinen Laubbläser hatte er nicht verschlafen. Gut möglich, dass er dadurch einer Abmahnung seines Arbeitgebers entging. Laubbläser können also so gesehen durchaus auch Arbeitsplätze erhalten. Zumindest in diesem Fall.

Noch etwas fällt mir immer wieder auf. Es betrifft das Trennen von Müll. Ich glaube, dass viele Menschen glauben, dass man Müll gar nicht trennen kann, weil Müll ja nur aus einer Silbe besteht. Dabei ist Mülltrennen so überaus wichtig. Gerade in Zeiten wie diesen. Den “Geiz ist Geil” Zeiten. Ich erlebe es hin und wieder, dass Tonnen nicht abgeholt werden, weil sie außer dem, was reingehört, auch ganz viel beinhalten, was nicht reingehört. Ganze Kinderwagen finden sich in der Gelben Tonne. Altkleider in der Papiertonne. Auf diesen Tonnen klebt dann ein Etikett auf dem steht „Fehlbefüllung”. Das ist so eine Art „Post-it” von der Müllabfuhr und bedeutet, dass sie für einen Haufen Geld noch mal wiederkommen und die Tonne abholen. Geld, das wir uns sparen sollten. Und lassen sie mich an dieser Stelle noch etwas hinzufügen:

Mülltrennen rettet nicht die Welt.
Mülltrennen rettet die gute Beziehung zum Hausmeister.

Dass mein Handy klingelt, genau in dem Moment da ich zum Besen greifen will, wundert mich nicht wirklich. Denn genau so war es gestern auch. Und vorgestern. Und vorvorgestern und und und….

Eine aufgeregt klingende Stimme bittet mich schnell zu kommen, denn im Heizungskeller kommt Wasser aus der Wand. Ich werfe meinen Besen in den Anhänger und düse los.

Früher hätte man mich erst stundenlang suchen müssen. Ich hätte mühelos den Müllplatz reinigen können. Vielleicht sogar noch zwei, drei weitere. Ok, der Keller würde dann vermutlich unter Wasser stehen, der Müllplatz allerdings wäre sauber. Doch jetzt, da alle ein Handy haben…

Das nur mal zur Erklärung, warum Müllplätze immer vermüllt sind. Warum der Hausmeister kommt und dann unverrichteter Dinge wieder wegfährt. Es liegt am Mobilfunk.