11.09.2014

Alle unter einem Dach

Serie: WG-Leben in der Innenstadt

Seit März wohnen sie nun zusammen. Sechs Studenten. 19 bis 24 Jahre alt. Alle zugezogen: Wolfsburgs größte WG. Alexander, Danny, Fabio und Sebastian studieren Fahrzeugtechnik; Christoph und Marcel Management im Gesundheitswesen. Zum zweiten Mal sind wir zu Besuch, um zu sehen, was es Neues gibt. 

Erster Eindruck in der Küche: Eine Zweck-WG ist das nicht. Schon kurz nach dem Einzug waren zwei Lautsprecher und eine Lichtorgel für Partys installiert. Neu ist nun eine kleine Shisha-Tabak-Bar. „Wir sitzen öfter mal mit der Wasserpfeife in der Küche, Bier dazu und erzählen“, so Christoph. Fensterblick auf die Lessingstraße. Meistgenutzter Geschmack: Grapefruit oder Zitrone, gemischt mit Minze. Wenn es passt, essen sie auch zusammen. Marcel kocht oft für alle. Gerade hat er sich eine Nudelmaschine, einen Reiskocher und einen Mixer angeschafft. Geplant ist noch ein Smoker-Grill. „So wie ich mir Videos über Autos anschaue, schaut er sich Videos an, wie Leute Essen zubereiten“, erzählt Danny. An den Wänden hängen inzwischen große Filmplakate und ein Whiteboard für Infos, Gags und Prüfungsglückwünsche – oder um Aufgaben zu rechnen. „Eine Wand ist noch frei. Da kommt eine Deutschlandkarte hin. Wir markieren mit Stecknadeln, wo wir und unser Besuch herkommen“, berichtet Fabio.

Er selbst kommt aus Freudenstadt und hat in die WG schwäbische Schimpfwörter wie Schoofseggl (Vollidiot) und Glomb (Scheißdreck) eingebracht – und zum Beispiel auch Basilikum- und Petersilientöpfe fürs Kochen. Oder Gemüseteller mit Fenchel, Kohlrabi und Möhren. „Das hat aber nachgelassen. Vermutlich wegen der Prüfungen.“ Sein Zimmer, mit 23 Quadratmetern das größte, war in der Anfangszeit das inoffizielle WG-Wohnzimmer. „Ich habe die dickste Anlage, einen großen Fernseher und eine Konsole. So kam das. Wir haben viel Playstation gespielt: NBA, FIFA und Call of Duty. Aber es hat sich ausgezockt. Wir sind jetzt mehr in der Küche oder mit anderem beschäftigt.“ Der 23-Jährige spielt Fußball beim TV Jahn, hat einen Nebenjob und macht in den Semesterferien ein Praktikum bei Schuler Trucks. „Die bauen zum Beispiel Promotiontrucks oder Racetrucks für die Formel 1.“ 

Christoph und Danny arbeiten in den Semesterferien bei Volkswagen. Danny ist VW-Fan. In seinem Zimmer hängt ein Bild der Golf-Evolution: das Modelldesign vom Golf I bis heute. „Beim neuen Golf montiere ich jetzt die Fahrertür.“ Zum Geburtstag hat ihm seine Freundin ein Bild des Audi RS5 geschenkt, eingraviert in eine Metallplatte. Am Schreibtisch sitzt er in einem Ledersessel, der aussieht wie ein Sportsitz, inklusive Löchern für die Gurte. „Die anderen Möbel sind weiß, damit es nicht so gedrungen wirkt. Es ist das kleinste Zimmer, aber ich komme erstaunlich gut klar. Durch das gute Miteinander gehört der Rest der Wohnung sozusagen mit dazu. Ich bin auch viel unterwegs: mit dem Rad, am Allersee oder wie Chris bei McFit.“ Christoph wohnte vorher in einer Dreier-WG in Westhagen: „Da hat jeder sein Ding gemacht. Hier hatte ich in ein paar Wochen schon mehr WG-Leben als da in einem halben Jahr: zusammen zocken, Filmabend, gemeinsam einkaufen oder feiern gehen. Wir haben auch schon Basketball und Volleyball gespielt.“ Verbrauchsmaterial wird über ein WG-Konto bezahlt. Sein Zimmer hat der Ex-Berliner mit einem Wandtattoo gestaltet: der Skyline von Berlin. Gegenüber: eine Weltkarte und ein Poster von Bayern München.

Die anderen drei aus der WG sind gerade unterwegs: Marcel zum Beispiel beim Handball-Training. Im Mai ist er vom Oberligisten VfL Hameln zum MTV Vorsfelde gewechselt. Kontakt untereinander gibt es aber auch, wenn sie sich eine Weile nicht sehen – über eine WG-Gruppe bei WhatsApp. Da schicken sie sich Fotos, was gerade los ist, oder planen. Nächste große Aktion: die Einweihungsparty. Wir werden berichten.