03.11.2015

Detmerode: Stufenhochhaus muss zurückgebaut werden

172 Wohnungen umfasst das so genannte Stufenhochhaus am Kurt-Schumacher- Ring 226 bis 234. Im Zusammenhang mit der geplanten Sanierung der Fassade wurde die gesamte bauliche Substanz des Gebäudes untersucht. Die Analyse der ingenieurtechnischen Begutachtung hat ergeben, dass eine Sanierung des Hauses aus technischer Sicht insgesamt ausgeschlossen ist. Das Stufenhochhaus muss daher ab 2016 bis zum Ende des Jahres 2018 komplett entmietet und anschließend zurückgebaut werden. Auf dem Grundstück werden neue Wohnungen entstehen.

„Seit dem Erstbezug im Jahr 1966 hat sich das Stufenhochhaus als sehr beliebter Wohnstandort für Menschen aller Generationen, vom Single bis zur Familie etabliert. Die Menschen wohnen gerne, und viele bereits sehr lange dort. Die Ergebnisse der Gutachter und Fachfirmen haben uns stark getroffen. Für uns ist der Rückbau ein harter Schlag, aber leider alternativlos“, unterstreicht Hans-Dieter Brand, NEULAND Geschäftsführer.

Für den Bau der Häuser wurde so genannter Thermocrete-Beton verwendet. Dieser erschien damals aufgrund seiner Beschaffenheit vielseitig verwendbar, erwies sich jedoch nicht als nachhaltig. Es wurden regelmäßige Sanierungsmaßnahmen erforderlich. So wurden bereits im Jahr 1983 sowie 15 Jahre später im Jahr 1997 umfangreiche Betonsanierungen durchgeführt. Ende 2013 plante die NEULAND erneut die Betonfassade zu sanieren.

Zu Beginn der geplanten Sanierung wurde festgestellt, dass der Beton an vielen Stellen des Gebäudes durchfeuchtet und stark beschädigt ist. Vor diesem Hintergrund wurde eine umfassendere ingenieurstechnische Begutachtung beauftragt.

Die Analyse der Gebäudesubstanz hat ergeben, dass die Balkone den Kern der baulichen Problematik darstellen. Deren Tragkonstruktion ist fest durch Stahlbeton-Wandscheiben mit dem Gebäude verankert. Diese Konstruktion wurde durch eintretende Feuchtigkeit beschädigt, so dass die gesamte Balkonkonstruktion komplett abgetragen und neu konstruiert werden müsste. Die Abtrennung hätte zur Folge, dass die Standsicherheit des gesamten Gebäudes nicht mehr gegeben wäre. Weiterhin weist das Haus 226 eine vertikale Rissbildung durch das gesamte Gebäude auf. Insgesamt bestehen aufgrund der schlechten Bausubstanz (Thermocrete-Beton) auch bei einer sehr intensiven Sanierungsplanung große Risiken, dass weitere Schäden im Zuge der Sanierung auftreten. Auch für eine so umfassende Sanierung, bei der die vorhandenen Grundrisse durch den Einbau zusätzlicher statischer Elemente verändert werden würden, müsste eine vollständige Entmietung erfolgen. Durch die zum größten Teil unbewehrten, das heißt ohne Stahleinlagen im Beton erstellten Thermocrete-Wände im inneren Kern, bliebe auch bei einer intensiven Sanierung die Gefahr weiterer unkontrollierter Rissbildungen.

„Der Aufsichtsrat hat sich die Entscheidung nicht leicht gemacht. Schließlich haben viele Menschen zum Teil seit mehreren Jahrzehnten hier ihre Heimat. Darüber hinaus ist der Abriss eines voll vermieteten Gebäudes in der aktuellen Situation der Wohnungsknappheit in Wolfsburg eine wirkliche Katastrophe. Aber die Sicherheit der Menschen geht hier einfach vor“, erklärt Immacolata Glosemeyer, Aufsichtsratsvorsitzende der NEULAND Wohnungsgesellschaft.

Geplant ist, die 58 Wohnungen im Haus Nummer 226 bis zum Ende des Jahres 2016 zu entmieten. Die Hausnummer 228 folgt bis Ende 2017. Im Jahr 2018 werden die letzten 72 Wohnungen der Hausnummern 230 bis 234 leergezogen.

Aktiv begleitet und unterstützt werden die Menschen in den nächsten Jahren von einem speziellen Team des Sozialmanagements der NEULAND, das direkt vor Ort im Gebäude untergebracht sein wird. Hierzu NEULAND-Prokuristin Irina Helm: “Gemeinsam mit unseren Mietern stehen wir vor einer wirklich großen Herausforderung. Konkret geht es jetzt darum, neue Wohnungen zu finden, Umzüge zu organisieren und den Menschen mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Die Situation ist außergewöhnlich und fordert uns insbesondere aufgrund des knappen Wohnungsangebotes bei der Suche nach Wohnraum. Es ist notwendig, dass wir jeweils die in den einzelnen Zeitabschnitten der Entmietungsphasen betroffenen Mieter vorrangig gegenüber anderen Interessenten bei der Auswahl einer neuen Wohnung behandeln. Natürlich werden wir weiterhin frei werdende Wohnungen im Rahmen unserer Möglichkeiten an den Markt bringen und Angebote unterbreiten. Dennoch hoffen wir in der Bevölkerung auf Verständnis, dass wir die Menschen im Stufenhochaus jetzt besonders unterstützen müssen.

“Nachdem das Stufenhochhaus entmietet und zurückgebaut wurde, sollen an gleicher Stelle neue Wohnungen entstehen. Die Planungsphase hierfür wird in den nächsten Wochen mit einem Architektenwettbewerb starten.