Eine Würdigung des Engagements des Freundeskreises Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager Laagberg e. V.
Wolfsburg, 3. September 2026.
Am vergangenen Dienstag wurde das Schutzzelt an der Breslauer Straße, in dem nun schon seit bald neun Jahren die geborgenen Fundamentreste der Gefangenenbracke 4 des KZ-Außenlagers Laagbergs eine temporäre Bleibe gefunden haben, zu einem Schauplatz gelebter Erinnerungskultur: Inmitten dieser materiellen Spuren der NS-Geschichte der Stadt Wolfsburg kamen Vorstandsmitglieder des Freundeskreises Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager Laagberg e. V. und Vertreter*innen des Instituts für Zeitgeschichte und Stadtpräsentation mit der Geschäftsführung der NEULAND Wohnungsgesellschaft mbH zusammen. Der Anlass für dieses besondere Zusammenkommen war die Übergabe einer Sachspende von 30 Exemplaren der von der NEULAND in Auftrag gegebenen Aufarbeitungsstudie an den Freundeskreis. Diese finanzielle Unterstützung stellt nicht nur eine wertvolle Unterstützung für dessen engagierte Arbeit dar, sondern ist zugleich ein deutliches Zeichen der Anerkennung und Wertschätzung für das kontinuierliche zivilgesellschaftliche Engagement rund um den entstehenden Gedenk- und Lernort KZ-Außenlager Laagberg. Der in diesem April nun zum zweiten Mal begangene Gedenktag für die Opfer des Todesmarsches des KZ-Außenlager Laagberg wäre ohne den unermüdlichen Einsatz des Freundeskreises nicht möglich gewesen. „Wir fühlen uns den Menschen verpflichtet, die hier inhaftiert und unter grausamsten Bedingungen Zwangsarbeit leisten mussten“, so der Vorsitzende des Freundeskreises Uwe Paulsen, der jedoch hervorhebt, dass diese Verpflichtung „zugleich auch den Nachfahren der KZ-Häftlinge gilt, die hier einen Ort des Erinnerns und der Trauer finden werden“.
Zugleich machte das Treffen einmal mehr deutlich, dass die Auseinandersetzung mit der Geschichte dieser Stadt und dieses Ortes eine gemeinsame Verantwortung ist. Die NEULAND hat mir ihrer groß angelegten Aufarbeitungsstudie „Die Neuland baut der Stadt das Haus“, die durch das IZS erarbeitet und im Frühjahr dieses Jahres veröffentlicht worden ist, ihrerseits einen Anfang gemacht und ist damit unter ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf großes Interesse gestoßen. Irina Franz von der Geschäftsführung der NEULAND erzählt: „Die Auseinandersetzung mit unserer Geschichte stößt auf großes Interesse. Viele Mitarbeitende, ehemalige Beschäftigte sowie Mieterinnen und Mieter möchten mehr über die Ursprünge der NEULAND erfahren. Uns ist es wichtig, ein Bewusstsein für die Ursprünge unserer Wohnungsgesellschaft zu schaffen. Das Buch war dafür ein erster Schritt.“ Dabei gehe es jedoch niemals darum, Schuldgefühle zu vermitteln oder historische Schuld zuzuweisen, wie Hans-Dieter Brand, Sprecher der Geschäftsführung der NEULAND, betont. Ihm sei bei der Lektüre der Studie klargeworden, wie viele Parallelen zwischen der Geschichte des Volkswagenwerks zu der der NEULAND gezogen werden können. Daher möchten sie als Unternehmen, wie Brand verdeutlicht, „Verantwortung für unsere Geschichte übernehmen – in der Gegenwart und für die Zukunft“. Die Spende an den Freundeskreis resultiere auch aus diesem Reflexionsprozess. Der Freundeskreis setze sich konsequent und auch gegen Widerstände für eine offene Gedenkkultur der Stadt ein und verdiene die größtmögliche Aufmerksamkeit und Unterstützung.
Das Treffen steht damit sinnbildlich für die ganz unterschiedlich beschrittenen Wege, über die Stadtgesellschaft, Kommune und Unternehmen dazu beitragen, die Erinnerung an die Opfer zu bewahren, ihre Geschichte sichtbar zu machen und den historischen Ort dauerhaft als Ort des Gedenkens, des Lernens und der demokratischen Bildung zu gestalten.
Gerade das gemeinsame Engagement von Freundeskreis, Stadt und NEULAND zeigt, wie aus dem Willen, Verantwortung für die Vergangenheit zu übernehmen, eine gemeinsame Aufgabe für unsere unmittelbare Gegenwart und Zukunft erwächst.

